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/ 21.06.2013
Ulf von Krause

Mehrebenengovernance in der EU. Deutsche Mitwirkung an der Rechtsetzung

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2008 (VS Research); 131 S.; brosch., 29,90 €; ISBN 978-3-531-16089-4
Politikwiss. Abschlussarbeit Master of Arts FU Hagen; Betreuer: N. Dose. – Die Bemühungen um eine Liberalisierung in der Verkehrspolitik sind im Kontext des europäischen Binnenmarktprojektes zu sehen. Darunter fällt auch der Vorstoß der Europäischen Kommission zur Neuregelung des öffentlichen Nahverkehrs im Juli 2000. Anhand der Entstehungsgeschichte der Regelung vom ersten Vorschlag der Kommission bis hin zum Inkrafttreten Ende 2007 soll im Rahmen einer Einzelfallstudie gezeigt werden, in welchem Maße sich Akteure mehrerer territorialer Ebenen und Akteure außerhalb der Regierungen an der Entscheidungsfindung beteiligt und welche Lobbying-Aktivitäten sie betrieben haben. Von Krause stellt vor allem die durch die Europäisierung ausgelöste Umverteilung im europäischen Mehrebenensystem heraus. Dazu entwickelt er fünf Hypothesenpaare, die sich mit einer doppelten Politikverflechtung, den Mitwirkungsrechten der Bundesländer und der Kommunen sowie dem Demokratiedefizit im Sinne der Scharpf’schen Input- und Outputlegitimität auseinandersetzen. In vielerlei Hinsicht ist die Untersuchung nicht überzeugend: Die vielen Hypothesenpaare enthalten gegenläufige Aussagen und der Autor leitet nicht klar ab, welche Aspekte für einen Plausibilitätstest dieser Hypothesen notwendig wären. Somit bleiben Teile der Argumentation zwangsläufig unklar, vor allem dann, wenn gegenläufige Hypothesen gleichzeitig bestätigt werden. Des Weiteren enthält die Untersuchung ausschließlich Positionen und Interessen der Akteure, sodass die eingangs vorgenommene Darstellung der Governance-Literatur irreführend ist. Zudem ist der theoretische Teil mit Verweis auf den akteurszentrierten Institutionalismus von Scharpf und einem Theoriemodell zur Europäisierung als „Umverteilung zwischen Machtressourcen zwischen den Ebenen“ (25) so überstrapaziert, dass im Ergebnis ein schlüssiges Konzept für die theoretischen und empirischen Zusammenhänge verloren geht.
Stefanie John (SJ)
Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Bochum.
Rubrizierung: 3.53.1 Empfohlene Zitierweise: Stefanie John, Rezension zu: Ulf von Krause: Mehrebenengovernance in der EU. Wiesbaden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30077-mehrebenengovernance-in-der-eu_35654, veröffentlicht am 03.02.2009. Buch-Nr.: 35654 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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