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/ 22.06.2013
Dirk Lange / Sebastian Fischer (Hrsg.)

Politik und Wirtschaft im Bürgerbewusstsein. Untersuchungen zu den fachlichen Konzepten von Schülerinnen und Schülern in der Politischen Bildung

Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2011 (AGORA – Schriften zur Politischen Bildung); 308 S.; 29,80 €; ISBN 978-3-89974652-5
Schulische politische Bildung wird zunehmend im Fächerverbund mit ökonomischer Bildung unterrichtet, wobei politische und wirtschaftliche Inhalte kaum im alltagsweltlichen und funktionalen Kontext aufeinander bezogen werden. Mit dem „Modell des Bürgerbewusstseins“ (7) wird nun versucht, durch empirische Analysen basaler Sinnbilder (Vergesellschaftung, Wertbegründung, Bedürfnisbefriedigung, Gesellschaftswandel, Herrschaftslegitimation) die Vorstellungen von Jugendlichen über gesellschaftliche Phänomene und Strukturen zu rekonstruieren. Ziel des dokumentierten Forschungsprojektes ist die notwendige Fundierung der Politikdidaktik durch Analysen der Lernvoraussetzungen bei Schülerinnen und Schülern, auf deren Grundlage sich erst sinnvolle Lernumgebungen gestalten lassen. Einige der vorgestellten Teilstudien haben bislang den Charakter von Pretests. Anhand von einzelnen Interviews werden zunächst Schülervorstellungen hinsichtlich ihrer fachlichen Konzepte analysiert. Im zweiten Schritt der „Politikdidaktischen Rekonstruktion“ werden diese in der „Fachlichen Klärung“ (17) mit wissenschaftlichen Vorstellungen konfrontiert. Einige Autoren (Lars-Uwe Lenk, Hendrik Banneke/Jörg Teltemann, André Bloemen, Andreas Reimer) untersuchen hier zwei bis drei Texte, deren Schlüsselbegriffe stichwortartig aufgelistet werden. Für das Inhaltsfeld „soziale Konflikte“ verweist Alexander Görs lediglich auf einen Band von Simmel (128 f.). Neuere Studien politikwissenschaftlicher Konfliktforschung werden bei dieser „fachlichen Klärung“ völlig ausgeblendet. Im Vergleich der Schüler- und fachwissenschaftlichen Konzepte werden auf dieser Basis jeweils sogenannte Leitlinien zur didaktischen Strukturierung des Unterrichts formuliert. Auch wenn die Autoren das besondere Erkenntnisinteresse qualitativer Forschung betonen, bewegen sie sich methodisch auf dünnem Eis (bei N = 1 bis 6). Auf einer deutlich breiteren Datenbasis dokumentiert Iris Baumgardt Berufsvorstellungen von Grundschulkindern und verweist dabei auf genderspezifische Rollenbilder und deren mögliche Problematisierung. Eine konzeptionelle Einordnung der empirischen Studien geben die Beiträge von Dirk Lange, Moritz-Peter Haarmann und Armin Scherb. Andreas Petrik erweitert Langes Modell des Bürgerbewusstseins durch „Politisierungstypen als individuelle Entwicklungswege“ (65).
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 2.35 Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Dirk Lange / Sebastian Fischer (Hrsg.): Politik und Wirtschaft im Bürgerbewusstsein. Schwalbach/Ts.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33824-politik-und-wirtschaft-im-buergerbewusstsein_40527, veröffentlicht am 18.08.2011. Buch-Nr.: 40527 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA