Skip to main content
/ 28.11.2013
Hanno Burmester / Isabella Pfaff (Hrsg.)

Politik mit Zukunft. Thesen für eine bessere Bundespolitik

Wiesbaden: Springer VS 2013 (Politik als Beruf); 171 S.; brosch., 29,99 €; ISBN 978-3-658-01191-8
„Politikwissenschaft und Politikmachen haben in der Regel ebenso wenig miteinander zu tun wie das Lehrbuch mit der Realität“ (51), behauptet das Herausgeberteam Hanno Burmester und Isabella Pfaff. Zwölf Autor_innen aus der politischen und journalistischen Praxis beleuchten den aktuellen, zumeist negativ bewerteten Stand der deutschen Politik und formulieren Thesen für eine Verbesserung der Situation. Eine Erneuerung der Parteien könne nicht durch Parteizentralen oder äußere Akteure gelingen, sondern nur durch die Stärkung der Kommunalpolitik und neue Beteiligungsmöglichkeiten außerhalb der traditionellen Ortsvereine, so Hanno Burmester. Trotz der anhaltenden Krise seit den 1970er‑ Jahren würden die Parteien ein großes Potenzial bergen: „[W]enn die Parteien aus der Krisengeschichte eine Veränderungsgeschichte machen, haben sie nach wie vor die Möglichkeit, Erfolgsgeschichte zu schreiben“ (30). Einige Autor_innen werfen einen interessanten Blick „hinter die Kulissen“, den man in anderen politikwissenschaftlichen Publikationen nicht erhält. So umreißen Burmester und Pfaff in ihrem überzeugenden Beitrag die „wichtigsten ungeschriebenen Regeln“ (50) für eine erfolgreiche Karriere im politischen Berlin. Thomas Maron bewertet die „unterschätzte Macht der zweiten Reihe“ (69). Persönliche Mitarbeiter_innen von Abgeordneten und insbesondere Beamtinnen und Beamte in Bundesministerien hätten deutlich mehr Einfluss, als in der Theorie angenommen. Ulrike Winkelmann zeigt die enormen Schwierigkeiten auf, das politische Interesse der Nichtwähler_innen zurückzugewinnen. Hierbei nimmt sie neben den Medien vor allem die Parteien in die Pflicht, die „die Abgehängten, die Verlierer und Frustrierten“ (117) mit einer verständlicheren Rhetorik und persönlicher Nähe erreichen müssten. Der meinungsstarke Band, der sich bewusst von der theoretischen Politikwissenschaft abgrenzt, enthält eine Fülle erstrebenswerter und vereinzelt äußerst idealistischer Reformvorschläge. Der deutschen Politik wäre zu wünschen, dass einige dieser Empfehlungen im politischen Betrieb Anwendung finden.
Stefan Müller (SMÜ)
B. A., Politikwissenschaftler, Student, Trinity College Dublin.
Rubrizierung: 2.3312.3332.22 Empfohlene Zitierweise: Stefan Müller, Rezension zu: Hanno Burmester / Isabella Pfaff (Hrsg.): Politik mit Zukunft. Wiesbaden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36462-politik-mit-zukunft_44639, veröffentlicht am 28.11.2013. Buch-Nr.: 44639 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA