/ 22.06.2013
Shell Deutschland Holding (Hrsg.)
Jugend 2010. Eine pragmatische Generation behauptet sich. Konzeption und Kooperation: Mathias Albert, Klaus Hurrelmann, Gudrun Quenzel und TNS Infratest Sozialforschung
Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag 2010 (16. Shell Jugendstudie); 410 S.; 16,95 €; ISBN 978-3-596-18857-4Die Jugend ist „gut drauf“ (15), flexibel, leistungs-, genuss- und familienorientiert, so lautet eines der Ergebnisse der aktuellen Studie. Sie verfügt über Strategien, mit einem erhöhten sozialen und ökonomischen Druck umzugehen. Auch das politische Interesse und die Demokratiezufriedenheit sind wieder leicht angestiegen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise scheint an der „pragmatischen Jugend“ spurlos vorbeigegangen zu sein. Insgesamt stiegen sogar die positiven Zukunftserwartungen, die Leistungsbereitschaft und das Vertrauen auf die Umsetzung von Lebens- und Berufszielen in nahezu allen sozialen Schichten – außer in der „bildungsfernen“ Unterschicht. Dieser „Wehrmutstropfen“ (31) begleitet allerdings eine Vielzahl der dokumentierten Ergebnisse. Über 80 % der Jugendlichen bewerten die Globalisierung als einen Zugewinn an Freiheit und kultureller Vielfalt. Inwiefern Jugendliche der Mittel- und Oberschicht auch reflektieren, dass ihre privilegierten Chancen in einem Zusammenhang mit den deutlich schlechteren Perspektiven benachteiligter Gruppen stehen, geht aus den Erhebungen leider nicht hervor. Zwar stellen die Autoren fest, dass sich die Risiken für einen Teil der Jugendlichen erhöhen und die sozialen Unterschiede größer werden. Bei den „großen Themen“ der aktuellen inhaltlichen Schwerpunkte der Untersuchung spielen jedoch weder Bildungsgerechtigkeit noch die größte Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg eine Rolle. Hingegen werden die familienorientierten Jugendlichen wiederholt zur Generationengerechtigkeit befragt, mit dem wenig überraschenden Ergebnis, dass sie die Verteilung des Wohlstandes als gerecht bewerten. Erstmalig wird der Politikbereich Klimawandel untersucht. Jugendliche nehmen hier ein „ernstes Problem“ (26) wahr und zeigen, dass sie sich zu politischen Inhalten und epochalen Schlüsselproblemen positionieren. Interessant ist dabei der Befund, dass die soziale Herkunft kaum eine Rolle spielt. Eine wichtige Ergänzung zur repräsentativen Studie sind die 20 Einzelporträts, in denen nach der Verarbeitung von Druck und erhöhten Leistungsanforderungen gefragt wird. Mit der Kategorie einer „belastungsfesten Zufriedenheitsfähigkeit“ (30) ergänzen die Autoren das Sammelsurium neoliberaler Kompetenzen, das offensichtlich bei einer großen Mehrheit der konkurrenzerprobten Jugendlichen Wirkung zeigt. In diesem Sinne bleibt die pragmatische Jugend von „Katastrophenszenarien […] unbeeindruckt“ und konzentriert sich darauf, „ihr Ding zu machen“ (342).
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 2.35
Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Shell Deutschland Holding (Hrsg.): Jugend 2010. Frankfurt a. M.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33158-jugend-2010_39626, veröffentlicht am 04.01.2011.
Buch-Nr.: 39626
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Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
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