/ 11.06.2013
Wolf-Dieter Narr
Zukunft des Sozialstaats - als Zukunft einer Illusion?
Neu-Ulm: AG SPAK 1999 (Materialien der AG SPAK 136); 61 S.; 12,- DM; ISBN 3-930830-10-8Die Diskussion über die Zukunft des Sozialstaats wird von seinen Anhängern zumeist aus einer Perspektive des Bewahrens geführt: Heute gelte es, dessen Errungenschaften gegenüber dem ökonomischen Modernisierungsdruck zu verteidigen. Narr schlägt in dieser kleinen Schrift einen anderen Weg ein: der gegenwärtige Sozialstaat "hat keine Zukunft, weil er allenfalls eine höchst ambivalente Vergangenheit hat" (8). So listet Narr zunächst die wesentlichen Grenzen des klassischen Modells auf: Arbeitszentrierung, Bürokratisierung und Akzeptanz des kapitalistischen Vergesellschaftungsprinzips (11 ff.). Daran schließt ein ebenfalls kursorischer Blick auf aktuelle Probleme im Sozialstaat wie Deregulierung, Massenarbeitslosigkeit und zunehmende soziale Ungleichheit (31 ff.) an. In einem knappen Ausblick benennt er als wesentliche Prämisse der Entwicklung eines zukunftsfähigen Sozialstaats die Bereitschaft, "die Frage nach der ökonomischen Organisation und deren Orientierung zu stellen" (56). Der Text ist die leicht modifizierte Transkription eines Vortrags von Narr auf dem Sozialpolitischen Forum der AG SPAK aus dem Jahre 1997 in Kassel.
Inhalt: A. Der "bismarckisch-knochige" deutsche Sozialstaat, seine Größe und seine immer schon gegebene Grenze: 1. Arbeitszentrierung; 2. Bürokratische Formierung; 3. Sozialstaatliche Ungleichheit; 4. Sozialstaat mit nie in Frage gestellter kapitalistischer Prämisse; 5. Der Rheinische Kapitalismus. B. Seiten- und Bodenerosion des Sozialstaats im Zeichen der "regelvollen Deregulierung": 1. Strukturelle Arbeitslosigkeit; 2. Regulierende Deregulierung; 3. Ausgrenzungen fressen sich in die Eingrenzungen; 4. Formwandel des Kapitalismus im Zeichen der Globalisierung; 5. Die Bestandsbedingungen des (sozialpolitisch gekitteten) "Modells Deutschland" gelten nicht mehr. C. Zukunft des Sozialstaats (als Zukunft einer Illusion?): 1. Die aktuelle Musterblindheit; 2. Was heißt Sozialstaat?: 2.1 Aktive Fassung der sozialen Rechte; 2.2 Gesellschaftliche Totalität; 2.3 Ein verändertes sozialstaatliches Muster; 2.4 Sozialpolitik als Bürgerinnen- und Bürgerpolitik.
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.342
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Wolf-Dieter Narr: Zukunft des Sozialstaats - als Zukunft einer Illusion? Neu-Ulm: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11466-zukunft-des-sozialstaats---als-zukunft-einer-illusion_13609, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 13609
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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