/ 05.06.2013
Willy Bierter / Uta von Winterfeld (Hrsg.)
Zukunft der Arbeit - welcher Arbeit?
Basel/Boston/Berlin: Birkhäuser Verlag 1998 (Wuppertal Texte); 311 S.; brosch., 29,80 DM; ISBN 3-7643-5931-5Aus der Vielzahl von Publikationen über Massenarbeitslosigkeit und Möglichkeiten ihrer Bekämpfung ragt dieser Sammelband durch seine entschiedene Verknüpfung von arbeitspolitischer und ökologischer Perspektive heraus. Die Texte gehen auf zwei vom Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie organisierte Workshops zurück, die sich mit der Konzeption "Neuer Wohlstandsmodelle" befaßten. Das Prädikat des Neuen beanspruchen diese Überlegungen, weil sie in der Kategorie der Nachhaltigkeit das Leitkriterium erblicken, dem umwelt- wie beschäftigungspolitische Lösungsansätze gleichermaßen genügen müssen (19 f.). Das Postulat einer nachhaltig zukunftsfähigen Wirtschaft würde einerseits die Absage an die bisher geltende Praxis der nicht-reproduktiven Produktivität erfordern, in der die destruktive Seite einer Abfall erzeugenden Wertschöpfung systematisch verdeckt wird. Eine in dieser Weise ökologisch verantwortliche Produktion wäre andererseits aber auf eine sozialverträgliche Einbettung angewiesen, die in erster Linie verteilungspolitische Konsequenzen zu bedenken hätte. Als Vision, die diese widersprüchlichen Anforderungen ausbalancieren könnte, entwerfen der Herausgeber und die Herausgeberin das Leitbild einer integrierten "Ökonomie des ganzen Hauses" (21). Vor diesem Hintergrund konzentrieren sich die Beiträge auf drei Themenfelder: (1) Problematisierung von Modellen einer dualen, den Bereich der Eigenarbeit betonenden Wirtschaft, (2) Diskussion arbeitszeitpolitischer Gestaltungsspielräume und (3) schließlich einer nachdrücklichen Thematisierung der geschlechtsspezifischen Implikationen unterschiedlicher Vorschläge zur Neuregulierung des Verhältnisses von Erwerbseinkommen und Existenzsicherung.
Inhalt: Willy Bierter / Uta v. Winterfeld: Einleitung. Arbeit und Ökologie - Ansätze zu vertrauensbildenden Maßnahmen zwischen zwei schwierigen Partnerinnen (7-29). I. Grundlagen - grundlegende Zweifel: Adelheid Biesecker / Uta v. Winterfeld: Vergessene Arbeitswirklichkeiten (32-51); Otto Ullrich: Gefangen im Mythos der Arbeitsgesellschaft? (52-69); Klaus Grenzdörffer: Wert-volles Arbeiten (70-79). II. Arbeit und Arbeitszeiten: Jürgen Rinderspacher: Riskante Freiheiten - Zwölf Thesen zu den Tendenzen der Arbeitszeitentwicklung in den neunziger Jahren (82-95); Ulrich Mückenberger: Birgt die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses ökologische Vorteile? (96-116); Eckart Hildebrandt: Arbeiten und Leben im Wissen um ihre ökologischen Nebenfolgen (117-158); Helmut Spitzley: Arbeitszeit und plurale Ökonomie - Handlungsoptionen in einer solidarischen Gesellschaft (159-191). III. Zum Ganzen der Arbeit: Sabine Wolf: Erwerbsarbeit und Hausarbeit - Zum dualen Denken in der Ökonomik und seinen Folgen für das Geschlechterverhältnis (194-212); Veronika Bennholdt-Thomsen: Die Zukunft der Arbeit und die Zukunft der Subsistenz (213-244); Lieselotte Wohlgenannt: Flexibel Arbeiten - Ökonomisch Wirtschaften - Solidarisch Leben. Zur Notwendigkeit eines Grundeinkommens (245-256); Ruth Becker: Eigenarbeit - Modell für ökologisches Wirtschaften oder patriarchale Falle für Frauen? (257-291). Ausblick (292-306).
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.342 | 2.36
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Willy Bierter / Uta von Winterfeld (Hrsg.): Zukunft der Arbeit - welcher Arbeit? Basel/Boston/Berlin: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7015-zukunft-der-arbeit---welcher-arbeit_9391, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 9391
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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