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/ 03.06.2013
Volker Koop

Zehn Jahre mit dem "gelben Streifen" Karl-Heinz Rutsch: Vom Offizier der NVA zum Deserteur. Mit 32 Fotos und Dokumenten

Berlin: edition q 1996; 253 S.; hardc., 42,- DM; ISBN 3-86124-318-0
Rutschs Lebenslauf läßt sich bis zu seiner abenteuerlichen Flucht als geradlinig im Interesse der DDR beschreiben. Allerdings ist seine Desertion ein Schritt, den Rutsch lange vorbereitet hatte. Er war nach eigenem Bekunden nur in die NVA eingetreten, um der DDR zu schaden. Ausgerüstet mit einigen Informationen über seine Einheit floh der Leutnant der Artillerie über die Tschechoslowakei in Richtung Jugoslawien, fiel aber bald der Grenzpolizei auf und wurde schließlich in die DDR zurückgebracht. Rutsch wird in einem juristisch zweifelhaften, standardisierten Verfahren zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt und sitzt für mehr als zehn Jahre als politischer Häftling ein. Ende 1983 erfolgt seine Abschiebung in die Bundesrepublik. Koop beschreibt anschaulich am Beispiel Rutschs ein Stück Gefängnisalltag in der DDR. Daß für den NVA-Deserteur Rutsch auch nach der Wende die Verurteilung nachwirkt, zeigen die im Anhang abgedruckten Dokumente zum Rehabilitierungsverfahren: Da Rutsch nicht den Grenztruppen angehörte, wird sein Antrag auf Rehabilitation teilweise zurückgewiesen; eine Verurteilung wegen Fahnenflucht aus einem anderen Truppenteil sei "nicht unvereinbar mit einer freiheitlichen rechtsstaatlichen Ordnung" (250).
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.313 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Volker Koop: Zehn Jahre mit dem "gelben Streifen" Berlin: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/2421-zehn-jahre-mit-dem-gelben-streifen_3111, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 3111 Rezension drucken
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