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/ 17.06.2013
Titus Simon

Wem gehört der öffentliche Raum. Zum Umgang mit Armen und Randgruppen in Deutschlands Städten. Gesellschaftspolitische Entwicklungen, rechtliche Grundlagen und empirische Befunde

Opladen: Leske + Budrich 2001; 153 S.; 15,24 €; ISBN 3-8100-3279-4
Ob in Fußgängerzonen, Bahnhofsvorplätzen oder Einkaufspassagen: Obdachlose, Bettler, Junkies und andere unerwünschte Personen werden zunehmend aus öffentlichen Räumen, so die Ausgangsfeststellung des Autors, mit architektonischen Konzepten, aber vor allem mit Sondernutzungssatzungen und Gefahrenabwehrverordnungen verdrängt. Der "öffentliche Raum ist umkämpftes Terrain" (8). Schon immer waren dabei "die Garanten der 'öffentlichen Sicherheit und Ordnung' [...] bestrebt [...], diese Auseinandersetzungen im Sinne der besitzenden Klasse zu entscheiden" (8). Doch hat nach einer verhältnismäßig toleranten Phase in den Siebzigern und frühen Achtzigern seit Beginn der Neunzigerjahre im Zuge einer von der neoliberalen Ideologie geprägten Sozialpolitik die Kontroll- und Vertreibungspraxis wieder enorm zugenommen. Der klassische Wohlfahrtsstaat gilt danach als nicht mehr finanzierbar, und Armut mutiert zu einem Ordnungsproblem. Öffentliche Sicherheit läuft so auf eine Intensivierung sozialer Kontrolle hinaus. Sozialpolitische und sozialarbeiterische Maßnahmen vermengen sich mit ordnungs- und polizeirechtlichen. Damit steht die Sozialarbeit vor neuen Herausforderungen "bis hin zu einer ordnungspolitischen Kolonialisierung und Instrumentalisierung dieses Arbeitsfeldes" (9). Grund genug für die Katholische Arbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (KAGW) und die Bundesarbeitsgemeinschaft Straffälligenhilfe (KAGS) eine empirische Untersuchung zu initiieren, die "die unterschiedlich wirksam werdenden Instrumente beschreibt, die mit dem Ziel der Minimierung der Präsenz sozial Schwacher im kommunalen Raum in Anwendung gebracht werden" (9). Inhaltsübersicht: 2. Alte und neue Konflikte um die Aneignung des öffentlichen Raumes; 3. Auswertung zur aktuellen rechtlichen Situation; 4. Kommunale Feldstudien; 5. Empirische Befunde aus der Republik; 6. Es ist noch nicht alles unter Kontrolle - Zusammenfassende Betrachtung.
Detlef Lemke (LE)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.372.352.342 Empfohlene Zitierweise: Detlef Lemke, Rezension zu: Titus Simon: Wem gehört der öffentliche Raum. Opladen: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15644-wem-gehoert-der-oeffentliche-raum_17836, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17836 Rezension drucken
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