/ 20.06.2013
Peter Glotz
Von Heimat zu Heimat. Erinnerungen eines Grenzgängers
Berlin: Econ 2005; 342 S.; geb., 24,90 €; ISBN 978-3-430-13258-9Glotz konnte, bereits schwer erkrankt, seine Autobiografie noch kurz vor seinem Tod im August 2005 abschließen. Gewidmet ist das Buch sicher nicht zufällig seiner Frau und seinem damals siebenjährigen Sohn, denn es liest sich so, wie er vielleicht später seinem älteren Kind aus seinem Leben erzählt hätte: von der Kindheit nach der Flucht aus Böhmen, aus dem wilden Jahr 1968, als er irgendwie schon auf der Seite der Etablierten stand und dann Politiker wurde, wie langwierig und manchmal auch langweilig die Arbeit als Landtags- und Bundestagsabgeordneter an der Basis war. Zu berichten ist auch von einem seiner größten Erfolge: Als Senator für Wissenschaft und Forschung in Berlin initiierte er die Gründung des Berliner Wissenschaftskollegs. Glotz lässt zwar alle Stationen seiner beruflichen Laufbahn bis zur Professur im schweizerischen St. Gallen Revue passieren, nie aber pocht er akribisch auf Rang und Titel – dazu war das Dasein zum Beispiel als Bundesgeschäftsführer der SPD offenbar viel zu mühsam. Aus seiner aktiven politischen Zeit ergibt sich eine Stärke dieses Buches: die persönlich gefärbten, sehr authentisch wirkenden Charakterisierungen vieler namhafter SPD-Politiker der Siebziger- und Achtzigerjahre, u. a. Wehner, Brandt, Schmidt, Vogel, Eppler, Rau, aber auch von den CDU-Politikern wie Kohl und Geißler. Wer in diesem Buch nicht oder nur äußerst knapp erwähnt wird, war augenscheinlich nicht überzeugend. Dazu gehört vor allem die so genannte Enkel-Generation der SPD, die seiner Ansicht nach die Partei als Trümmerlandschaft zurückgelassen hat. Auf seine eigene politische Karriere blickt Glotz nüchtern zurück, liebevoller ist dagegen sein Blick auf die Orte, die ihm zur Heimat geworden waren – geistig sei er als Böhme zwar ein Altösterreicher geblieben, schreibt Glotz, ansonsten sei er aber per Saldo überall ganz gut behandelt worden. „Ich habe allerdings auch dafür gesorgt, dass ich gut behandelt wurde: durch Anpassung.“ (34)
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3 | 2.331 | 2.313 | 2.315
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Peter Glotz: Von Heimat zu Heimat. Berlin: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25822-von-heimat-zu-heimat_29980, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29980
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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