/ 20.06.2013
Adrienne Goehler
Verflüssigungen. Wege und Umwege vom Sozialstaat zur Kulturgesellschaft. Unter Mitarbeit von Mareike Dittmer und Sophie Krempl
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2006; 276 S.; geb., 24,90 €; ISBN 978-3-593-37812-1Goehler, Kuratorin des Hauptstadtkulturfonds Berlin, spricht sich für ein neues Denken in der Politik und für eine Kulturgesellschaft aus. Das Ende der klassischen Arbeitswelt und die damit verbundenen Probleme ließen sich, so die Autorin, nicht mit einem schlichten Umbau des Sozialstaates lösen. Es gebe nicht mehr genug Erwerbsarbeit für alle, sodass ein Zusammendenken von Arbeit und Kultur notwendig sei. Die Ratlosigkeit der Politik und starre, festgefahrene Systeme müssten durch neue Formen des Dialogs und des Denkens gelockert beziehungsweise „verflüssigt“ werden, um die Ressourcen, die zweifelsohne in der Gesellschaft vorhanden seien, nutzen zu können. Goehler zeigt in ihrem Buch nicht nur die Notwendigkeit einer solchen Politik, sondern auch eine Reihe von bestehenden Ansätzen. Sie stellt Projekte und Versuche vor, in denen unterschiedliche Formen des gesellschaftlichen Wissens miteinander verbunden werden, um darüber neue Beschäftigungsfelder zu schaffen. Wichtig ist Goehler dabei, dass es wieder möglich sein soll, den Menschen Anerkennung und Beteiligung zu geben, die viele von ihnen verloren haben. In diesem Zusammenhang wirft die Autorin auch das Thema „Grundeinkommen“ auf, mit dem nicht nur Abhängigkeiten, Kontrolle und Druck entfallen, sondern auch der (finanzielle) Rahmen geschaffen würde, eine Kulturgesellschaft weiter zu entwickeln. Goehlers Ausführungen sind interessant zu lesen. Die Definition einer Kulturgesellschaft bleibt jedoch zu vage, und an manchen Stellen fragt man sich, in welcher Weise sich Goehler von dem von ihr kritisch betrachteten „neo-liberalen“ Ansatz der Flexibilisierung und Privatisierung weiter Teile der Gesellschaft letztendlich unterscheidet. Ihr generelles Anliegen – ein Überdenken von Erwerbsarbeit und ein Mitdenken von Kultur – ist allerdings lobenswert.
Oliver Trede (OT)
Dr. phil., Historiker/Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.35 | 2.342 | 2.36 | 2.3
Empfohlene Zitierweise: Oliver Trede, Rezension zu: Adrienne Goehler: Verflüssigungen. Frankfurt a. M./New York: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25867-verfluessigungen_30028, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 30028
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Dr. phil., Historiker/Politikwissenschaftler.
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