/ 21.06.2013
Bernhard Vogel / Matthias Kutsch (Hrsg.)
40 Jahre 1968. Alte und neue Mythen – Eine Streitschrift. Hrsg. im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.
Freiburg i. Br./Basel/Wien: Herder 2008; 304 S.; kart., 14,- €; ISBN 978-3-451-30200-8Das folgenschwerste Erbe der 68er-Bewegung sei, dass es sich „eingebürgert“ habe, „Gewalttaten nicht an sich zu verurteilen, sondern das Urteil von der jeweiligen Motivlage abhängig zu machen“, behauptet der CDU-Bundestagsabgeordnete Stephan Eisel. „So tun sich zu viele schwer, Gewalt mit linksextremistischem Hintergrund ebenso klar zu verurteilen wie Gewalt mit rechtsextremistischen Hintergrund.“ (81) Belege für seine Deutung liefert Eisel nicht, er wehrt sich vor allem dagegen, dass „die so genannte 68er-Protestbewegung von interessierter Seite zu einer Art zweitem Gründungsakt der Bundesrepublik Deutschland mystifiziert“ (65) werde. Sein Beitrag illustriert die Intention, die mit diesem Band verfolgt wird – er sei „als pointierte Gegendarstellung zu neuen und neu belebten 68er-Mythen“ (7) zu verstehen, schreibt der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung Vogel. Und so ist der gebotene Lesestoff eher bei den politischen Statements anzusiedeln und weniger im Bereich der wissenschaftlich fundierten Analyse – Behauptungen haben so mitunter Vorrang vor dem Gang ins längst geöffnete Archiv. Ein Beispiel dafür ist im Beitrag von Sven Felix Kellerhof, leitender Redakteur für Zeit- und Kulturgeschichte von „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“, zu finden: „Bisher konnte nicht nachgewiesen werden, dass die West-Berliner Kampagne ‚Enteignet Springer’ ab 1967 direkt aus Ost-Berlin gesteuert wurde. Fest steht jedoch, dass das damit verfolgte Ziel erstmals von der SED ausgegeben wurde – genau genommen im Herbst 1962 [sic!] vom DDR-Chefpropagandisten Albert Norden“ (101). Eine Abkehr vom Denken in den alten Ost-West-Kategorien ist damit nicht auszumachen, überhaupt bleiben die Beiträge hinter dem Stand der Forschung zurück. Damit wird von konservativer Seite wieder die Gelegenheit verpasst, konstruktiv zur Deutung von sozialen Bewegungen im Allgemeinen und der 68er-Bewegungen im Besonderen beizutragen. Richard Schröder, Professor für Philosophie an der HU Berlin, gesteht immerhin ein: „Eine gerechte Würdigung der 68er-Bewegung kann ich nicht bieten. Ich war nicht dabei.“ (200)
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.313 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Bernhard Vogel / Matthias Kutsch (Hrsg.): 40 Jahre 1968. Freiburg i. Br./Basel/Wien: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30347-40-jahre-1968_36017, veröffentlicht am 24.03.2009.
Buch-Nr.: 36017
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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