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/ 21.06.2013
Johannes Pollak

Repräsentation ohne Demokratie. Kollidierende Systeme der Repräsentation in der Europäischen Union

Wien/New York: Springer 2007; 304 S.; brosch., 89,95 €; ISBN 978-3-211-69915-7
In der internationalen politikwissenschaftlichen Debatte ist seit längerem eine verstärkte Thematisierung der normativen und empirischen Implikationen des Repräsentationsprinzips und seiner verschiedenen Deutungsmöglichkeiten zu verzeichnen. Die Monografie liefert dazu einen in theoretischer und empirischer Hinsicht gleichsam gewinnbringenden wie (im positiven Sinne) streitbaren Beitrag. Im ersten Teil des Buches werden die theoretischen und historischen Aspekte des Konzepts der Repräsentation thematisiert. Der Autor bedient sich dabei eines sprachtheoretischen Zugangs im Anschluss an Quentin Skinner, John Pocock und Reinhart Koselleck. Der Theorieteil ist insgesamt als „Beitrag zur Konzeptualisierung der Elemente einer Theorie der Repräsentation“ (3) konzipiert. Das Ergebnis besteht in einem ausdifferenzierten Modell verschiedener Dimensionen von Repräsentation, wobei Repräsentationsobjekte, -funktionen und -modi unterschieden werden. Diese Kategorien werden im zweiten Teil des Buches auf das System europäischen Regierens angewandt. Dabei werden sowohl die historische Entwicklung der Union als auch die derzeit existierenden Institutionen im Lichte der übergeordneten Fragestellung nach der angemessen Erfüllung des Repräsentationsanspruchs beleuchtet. Pollaks abschließendes Urteil fällt eindeutig aus: „In Europa hat die zunehmende Verselbstständigung der politischen Eliten, insbesondere der exekutiven Eliten, zu einer paradoxen Situation geführt. Der Integrationsprozess ist trotz aller Rückschläge ein Erfolgsprojekt. Ein Erfolg, dessen demokratische Basis und repräsentative Qualität jedoch mehr als zweifelhaft ist“ (239). Als Zielpunkt des institutionellen Reformprozesse in der EU fungiert demzufolge die „Entmachtung der exekutiven Eliten“ (244). Die argumentative Ableitung dieser Forderung aus dem Repräsentationsprinzip bildet den innovativen Kerngedanken des Buches.
Markus Linden (LIN)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, SFB 600 - Teilprojekt C7 "Die politische Repräsentation von Fremden und Armen", Universität Trier.
Rubrizierung: 3.23.32.23.1 Empfohlene Zitierweise: Markus Linden, Rezension zu: Johannes Pollak: Repräsentation ohne Demokratie. Wien/New York: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27915-repraesentation-ohne-demokratie_32798, veröffentlicht am 01.04.2008. Buch-Nr.: 32798 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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