/ 17.06.2013
Susanne Heeg
Politische Regulation des Raums. Metropolen - Regionen - Nationalstaat
Berlin: edition sigma 2001; 346 S.; 22,50 €; ISBN 3-89404-486-1Diss. Europa-Universität Frankfurt/O.; Gutachter: S. Krätke, R. Danielzyk. - Auf Tendenzen von Globalisierung (der Ökonomie) und Transnationalisierung (der Politik) haben die räumlich orientierten Wissenschaften seit den 90er-Jahren mit einer konzeptuellen Umorientierung reagiert, die einerseits einen erheblichen Bedeutungszuwachs der regionalen wie der globalen gegenüber der nationalstaatlichen Ebene behauptet. Diese implizite Annahme einer Erosion von Staatlichkeit korrespondiert andererseits mit einer starken analytischen Konzentration auf die ökonomische Leistungsfähigkeit von Metropolen. Vor diesem Diskussionshintergrund entwickelt Heeg - die ihre Arbeit als "Beitrag [...] zur politisch-räumlichen Ausdifferenzierung" im Anschluss an die Regulationstheorie versteht (320) - ihr Analysekonzept zur empirisch gestützten Untersuchung der politischen Form und der ökonomisch-sozialen Konsequenzen regionaler Neuordnungen. Ihre drei Leitfragen - Umfang von Entstaatlichung, Regionalisierung und räumlicher Ausdifferenzierung (17) - überprüft sie mit Berlin-Brandenburg und Baden-Württemberg an zwei unterschiedlich strukturierten Räumen. Die vergleichende Analyse bezieht sich auf folgenden Untersuchungsgegenstand: "länderspezifische Unterschiede in der Regulation räumlicher Verhältnisse unter besonderer Berücksichtigung der Metropolregionen" (22). Der empirische Teil beginnt - nach einer Diskussion unterschiedlicher Konzepte räumlicher Restrukturierung - mit einem Abriss der räumlichen Verhältnisse und ihrer Regulation in der Bundesrepublik. Gerade weil die Autorin hinsichtlich der so genannten "Entstaatlichungsannahme" zu einer sehr differenzierten Einschätzung kommt, ist diese Studie auch für Politikwissenschaftler außerordentlich anregend.
Aus dem Inhalt: 1. Metropolregionen und die Regulation räumlicher Verhältnisse; 2. Heterogenisierung des Raumgefüges: 2.1 Veränderung räumlicher Disparitäten; 2.2 Faktoren und Erklärungsmuster räumlicher Entwicklung; 2.3 Räumliche Restrukturierungsprozesse der Gegenwart. 3. Politische Restrukturierung des Territorialstaates: 3.1 Staatlichkeit und Raum im Westeuropa der Nachkriegszeit; 3.2 Legitimitätsverlust des keynesianischen Staatstypus; 3.3 "Re-Scaling" von Staatlichkeit und neuen Formen des Regierens; 3.4 Neue Formen räumlicher Regulation: regionale Wirtschaftsinitiativen. 4. Mögliche Extreme räumlicher Entwicklungsstrategien; 5. Räumliche Verhältnisse und ihre Regulation in der BRD: 5.1 Unmittelbare Nachkriegszeit; 5.2 "Goldenes Zeitalter"; 5.3 Nachfordismus I: Phase der Ernüchterung; 5.4 Nachfordismus II: Alter Wein in neuen Schläuchen? 6. Berlin-Brandenburg: Institutionelle Fragmentierung: 6.1 Sozial- und wirtschaftsräumliche Ausgangsbedingungen; 6.2 Räumliche Regulation. 7. Baden-Württemberg: Entstaatlichung und Entnationalisierung: 7.1 Sozial- und wirtschaftsräumliche Ausgangsbedingungen; 7.2 Räumliche Regulation. 8. Defensive oder offensive Flexibilität? 8.1 Vergleich; 8.2 Defensive oder offensive Flexibilität? 9. Versuch einer theoretischen Vergewisserung.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.325 | 2.342
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Susanne Heeg: Politische Regulation des Raums. Berlin: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15208-politische-regulation-des-raums_17284, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 17284
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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