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/ 04.06.2013
Verein Demokratischer Ärztinnen und Ärzte / Verein Demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten

Perspektive Gesundheit. Thesen und Vorschläge zur aktuellen Gesundheitspolitik

Frankfurt a. M.: Verlag für Akademische Schriften 1998 (Politik in sozialer und ökologischer Verantwortung); 65 S.; 15,- DM; ISBN 3-88864-251-5
Der knappe, aber pointierte Band zeigt Perspektiven für eine Reform des deutschen Gesundheitssystems auf, die sich als "grundlegende Gegenposition zur herrschenden Gesundheitspolitik verstehen" (6). Im ersten Abschnitt arbeiten die Autorinnen und Autoren den Schutz der gesundheitlichen Interessen des Einzelnen und die Sicherung des Solidaritätsprinzips in der Gesetzlichen Krankenversicherung als Ziel der Reformen heraus. Sie fordern grundlegende Änderungen in den geltenden Strukturen, Institutionen, Anreize für ein kostenbewußtes Verhalten und Sanktionsmöglichkeiten. In Abschnitt zwei werden Maßnahmen zur Verbesserung der Qualitätssicherung und des Patientenschutzes vorgestellt. So sei das Qualitätsmanagement an internationalen Richtlinien der WHO und der EU auszurichten, der Schutz des Patienten durch rechtliche (Produkthaftung, verschuldungsunabhängige Schadenshaftung, Mitteilungs- und Sanktionsrechte) und einflußsicherstellende Maßnahmen (Ombudsmänner, unabhängige Patientenvertretungen, Beratungsdienste der Krankenkassen, Ethikkommissionen, Selbsthilfegruppen) zu erhöhen sowie die Ausbildung und Ausübung des Arztberufes zu verbessern. In Abschnitt drei werden Vorschläge zur Revision der Strukturen und zur Finanzierung des Gesundheitswesens unterbreitet. Die ständische und berufsgruppenspezifisch strukturierte Vertretung sei aufzubrechen und durch ein dreigliedriges, föderales Modell zu ersetzen, in welchem Kostenträger, Gesundheitsberufe und Gesundheitsexperten/Verbraucherschützer vertreten sein sollten. Kosten könnten gesenkt werden, indem auf der Ausgabenseite Änderungen in der ärztlichen Versorgungsgliederung vorgenommen, ein Globalbudgetierungsverfahren eingeführt, finanzielle Leistungen stärker am Erfolg der Behandlung orientiert und Rationalisierungen vorgenommen würden. Die Einnahmestruktur sei insofern zu verbessern, als die Sozialversicherungspflicht für alle eingeführt, weitere Einkunftsarten einbezogen und bestimmte Leistungen aus der GKV herausgenommen würden. Die von den Autorinnen und Autoren unterbreiteten Reformvorschläge zeichnen sich dadurch aus, daß sie Tabus aufgreifen, die Patientenorientierung in den Vordergrund stellen und an markanten Punkten ansetzen.
Martina Böhner (Bö)
Dr.
Rubrizierung: 2.342 Empfohlene Zitierweise: Martina Böhner, Rezension zu: Verein Demokratischer Ärztinnen und Ärzte / Verein Demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten: Perspektive Gesundheit. Frankfurt a. M.: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6199-perspektive-gesundheit_8425, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 8425 Rezension drucken
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