/ 20.06.2013
Martina Fischer (Hrsg.)
Peacebuilding and Civil Society in Bosnia-Herzegovina. Ten Years after Dayton
Berlin: Lit 2006 (Berghof Forschungszentrum für konstruktive Konfliktbearbeitung); 483 S.; brosch., 29,90 €; ISBN 3-8258-8793-6Zehn Jahre nach Abschluss des Abkommens von Dayton, das dem Bürgerkrieg in Bosnien ein Ende setzte, hat Fischer einen Sammelband zur Konflikttransformation in Bosnien-Herzegowina herausgegeben. Im Mittelpunkt der Beiträge stehen Entwicklungen im sozialen Sektor, die zu drei thematischen Abschnitten zusammengefasst wurden: Im ersten Teil werden staatliche und nichtstaatliche Bemühungen um den Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen in Bosnien-Herzegowina dargestellt. Diese, so die Kritik, haben zwar zur Herausbildung eines lebhaften zivilen Sektors mit zahlreichen internationalen und regionalen Organisationen geführt, jedoch nicht zu einer „wahren“ Zivilgesellschaft unter Einbeziehung der breiten Bevölkerung. Im nachfolgenden Abschnitt werden Projekte im Bildungssektor und in der Jugendarbeit vorgestellt und bewertet. Das Fazit dieses wie auch des nachfolgenden Abschnitts lautet, dass in beiden Bereichen erst geringe Fortschritte erzielt werden konnten. Insbesondere im dritten Abschnitt zu Fragen der Vergangenheitsbewältigung zeigen sich schwerwiegende Hindernisse auf dem Weg der Konflikttransformation. So weisen die Autoren darauf hin, dass im Bereich der Trauma- und Versöhnungsarbeit die freiwillige Mitarbeit der betroffenen Personen unumgänglich, diese aber in der Regel nicht oder nur schwer zu erreichen ist. Dies deutet ein grundlegendes Dilemma und damit auch Ratlosigkeit aufseiten der hier aktiven Akteure an. Dementsprechend fällt das von Fischer verfasste Resümee ambivalent aus. In komprimierter Weise skizziert sie die gelernten Lektionen und fortbestehenden Probleme, denen sich die internationale Staatengemeinschaft und die nichtstaatlichen Akteure des zivilen Sektors gegenübersehen. Aus diesem abschließenden Überblick lassen sich nicht nur für Bosnien-Herzegowina, sondern auch für andere Regionen und ähnlich gelagerte Konfliktstrukturen wertvolle Schlussfolgerungen für zukünftige Versuche der Konflikttransformation ziehen.
Kristina Eichhorst (KE)
Dr., Länderreferentin im Team Asien der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Rubrizierung: 2.61 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Kristina Eichhorst, Rezension zu: Martina Fischer (Hrsg.): Peacebuilding and Civil Society in Bosnia-Herzegovina. Berlin: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25283-peacebuilding-and-civil-society-in-bosnia-herzegovina_29286, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29286
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Dr., Länderreferentin im Team Asien der Konrad-Adenauer-Stiftung.
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