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/ 04.06.2013
Carol Hagemann-White / Barbara Kavemann / Dagmar Ohl

Parteilichkeit und Solidarität. Praxiserfahrungen und Streitfragen zur Gewalt im Geschlechterverhältnis

Bielefeld: Kleine Verlag 1997 (Theorie und Praxis der Frauenforschung 27); 260 S.; 38,- DM; ISBN 3-89370-252-0
Dank des Engagements der neuen Frauenbewegung wurde "Gewalt gegen Frauen und Kinder" und "sexualisierte Gewalt" seit den siebziger Jahren von der Öffentlichkeit zunehmend als gesellschaftliches Problem erkannt. Inzwischen ist ein vielfältiges Unterstützungs- und Beratungsnetzwerk für die Betroffenen entstanden, als dessen Leitgedanke sich das Prinzip der "Parteilichkeit" als spezifisches Unterstützungskonzept weit über feministische Initiativen hinaus etablieren konnte. Die anfänglichen Hoffnungen der Aktivistinnen, die Arbeit mit den Betroffenen in die weitergehenden Ziele der Frauenbewegung einbinden zu können, erwiesen sich als illusorisch: Aus den Frauenprojekten erwuchs keineswegs eine breitere Bewegung, die zu einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel und schlußendlich zu einem Ende der Gewalt führte. Das konkrete Hilfsangebot hat sich sehr unterschiedlich entwickelt - die Dynamik der Anfangszeit ist mittlerweile einer gewissen Stagnation gewichen. Während dies im Falle der relativ abgesicherten Einrichtungen mit einer Konsolidierung und Professionalisierung verbunden ist, sind viele feministische Projekte hingegen doppelt bedroht: einerseits durch die mit der prekären öffentlichen Haushaltslage einhergehenden Mittelkürzungen, andererseits durch Angriffe auf ihre konzeptionellen Grundlagen, die mit der öffentlichen Debatte um sexuellen Mißbrauch zugenommen haben. Die in dem Band enthaltenen Beiträge - im wesentlichen Zusammenfassungen verschiedener, unabhängig voneinander entstandener Untersuchungen - wenden sich gegen die derzeit vorherrschende, durch die aktuellen Entwicklungen beförderte Tendenz des Helferinnensystems, sich in die Defensive zurückzuziehen und damit auf die zur Gründungszeit der Initiativen maßgebliche "Freude am Weiterdenken und am Experimentieren" (13) zu verzichten. Inhalt: Carol Hagemann-White u. a.: Strategien gegen Gewalt im Geschlechterverhältnis: Bestandsaufnahme und Perspektiven (15-116); Dagmar Ohl: Zwischen Kinderschutz und parteilichem Ansatz: Die Kontroverse um den sexuellen Mißbrauch (117-178); Barbara Kevemann: Zwischen Politik und Professionalität: Das Konzept der Parteilichkeit (179-235); Carol Hagemann-White: Die feministische Gewaltdiskussion: Paradoxe, Blockaden und neue Ansätze (237-257).
Julia Schmidt-Häuer (JSH)
Dr., Referentin im wissenschaftlichen Dienst der SPD-Bürgerschaftsfraktion in Bremen.
Rubrizierung: 2.272.23 Empfohlene Zitierweise: Julia Schmidt-Häuer, Rezension zu: Carol Hagemann-White / Barbara Kavemann / Dagmar Ohl: Parteilichkeit und Solidarität. Bielefeld: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3681-parteilichkeit-und-solidaritaet_4926, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 4926 Rezension drucken
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