/ 18.06.2013
Bernd Estel
Nation und nationale Identität. Versuch einer Rekonstruktion
Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2002; 516 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 3-531-13778-6Habilitationsschrift Tübingen. - Estel versucht eine Rekonstruktion der Entstehung, der Zielsetzungen und des Charakters der modernen, europäisch-westlichen Nation sowie ihrer Auswirkungen in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Kultur. Das Zentrum des systematischen Interesses bildet dabei das dialektische Verhältnis zwischen einer Nationalisierung des Wissens auf der einen und einer Nationalisierung der sozialen Verhältnisse und der Menschen auf der anderen Seite, also die Frage nach ideeller oder realer Nationalisierung. Nation versteht Estel als "Gemeinschaft ihrer Angehörigen" (13), deren Inhalt und Reichweite jedoch schon immer strittig waren und bei deren faktischer Bildung es nie nur um die oben erwähnte Gemeinschaft, sondern auch um andere Ziele ging. Deshalb ist für ihn die Frage nach den Voraussetzungen und den näheren Bedingungen der Konstitution dieser Gemeinschaft, nach ihrem Charakter und ihren äußeren wie inneren Folgen das entscheidende wissenschaftliche Problem. Estel versucht, stets auf systematische Vollständigkeit bedacht, den Bogen zu schlagen von einem vormodernen Verständnis von Nation zum heutigen vermeintlichen Bedeutungsverlust und Niedergang, den die erstrebte Gemeinschaft Nation durch eine Reihe transnationaler bzw. globaler Prozesse in den letzten Jahrzehnten zu erfahren scheint. Estel war lange Wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Soziologie der Universität Tübingen und ist heute freier wissenschaftlicher Schriftsteller.
Aus dem Inhalt: I. Nation und Verwandtes: Begriffliche Vorklärungen und historische Aspekte: 1. Die historische Entwicklung des Nationsverständnisses: Eine Skizze; 2. Definitionen; 3. Zur Frage der Existenz von modernen Nationen bereits im Mittelalter; 4. Grundauffassungen der modernen Nation und gegenwärtige konzeptuelle Tendenzen. II. Nation als Wissenskonstrukt: 1. Analytische Grundunterscheidungen; 2. Die Rolle kollektiver Gemeinsamkeiten; 3. Konstitution und Charakter nationaler Identität. III. Nation als idée-force; IV. Die Nationalisierung des Daseins: 2. Der Bereich der Politik; 3. Aspekte der wirtschaftlichen Nationalisierung. V. Die äußeren Folgen des Prinzips Nation: Der Fall des europäisch-westlichen Imperialismus; VI. Die moderne Nation - heute: 2. Äußere Herausforderungen; 3. Innere Herausforderungen der Nation.
Christiane J. Fröhlich (CJF)
Dr., Soziologie mit Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Hamburg.
Rubrizierung: 2.23
Empfohlene Zitierweise: Christiane J. Fröhlich, Rezension zu: Bernd Estel: Nation und nationale Identität. Wiesbaden: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17115-nation-und-nationale-identitaet_19688, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19688
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Dr., Soziologie mit Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Hamburg.
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