/ 17.07.2014
Christoph Hoeft
Narration in der Krise. Zum Wandel des sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaatsdiskurses in Schweden
Stuttgart: ibidem-Verlag 2014 (Göttinger junge Forschung 21); 295 S.; 34,90 €; ISBN 978-3-8382-0523-6Abschlussarbeit Göttingen. – „Die europäische Sozialdemokratie befindet sich in einer existenziellen Krise.“ (39) Seit Jahren kommen Abhandlungen zu dieser politischen Bewegung nicht ohne diese Diagnose aus. Christoph Hoeft betrachtet dabei diejenige Partei, die – nicht zuletzt wegen 44 Jahren ununterbrochener Regierungsverantwortung – zu den erfolgreichsten zählt und dennoch nicht von Krisen verschont geblieben ist: Wie in anderen Ländern wurde auch die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Schwedens (SAP) vom Wahlvolk abgestraft, das deren Wandel als Abkehr von traditionellen linken Werten verstand. Hoeft konzentriert sich auf diesen Wandel sozialdemokratischer Ideen und Vorstellungen, der zugänglich sei in „den Geschichten und Narrationen, die die Parteien produzieren“, darüber, „wo das Gute und das Böse steht“ und „wie die zukünftige Welt verändert und verbessert werden könnte“ (42). Rahmen der Analyse sind die Narrationen der SAP zum schwedischen Wohlfahrtsstaat, dem „Kernstück der sozialdemokratischen Gesellschaftsvision“ (43), die er im Zeitverlauf von mehr als vierzig Jahren bis in die Gegenwart betrachtet. Hoeft untersucht in seiner Diskursanalyse die Reden auf Parteitagen unter den Gesichtspunkten, welche Reaktionen auf Rückschläge und welche Art der Neuausrichtung zu beobachten sind – etwa nach dem Ende der „Goldenen Ära“ der SAP, als sich die Partei in ihren Forderungen nach Gleichheit und Demokratie radikalisierte, dann aber bei der Wahl 1976 erstmals nach vier Jahrzehnten in die Opposition musste. Der sich in den 1980er‑Jahren anschließende – in vielen anderen Ländern ebenfalls zu beobachtende – Wertewandel zum Konservativen („Rechtsruck“?) brachte eine neue linke Kraft im schwedischen Parteiensystem hervor: die Grünen (Schwedens „Miljöpartiet“). Unklar ist, warum der Autor die jeweiligen Wahlergebnisse nicht einfach in Tabellen‑ oder Diagrammform übersichtlich visualisiert. Auch die Fixierung seiner Narrationsanalyse auf Parteitagsreden ist zumindest fragwürdig, da sich damit kaum das gesamte Spektrum der SAP erfassen lässt. Die gesellschaftlichen Zusammenhänge und Entwicklungen erklärt Hoeft aber in der nötigen Ausführlichkeit, meist sogar sehr detailliert. Man muss kein Experte schwedischer Politik sein, um seine Studie mit Gewinn lesen zu können.
Frank Kaltofen (FK)
Politikwissenschaftler, Promotionsstudent, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.61 | 2.22 Empfohlene Zitierweise: Frank Kaltofen, Rezension zu: Christoph Hoeft: Narration in der Krise. Stuttgart: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/37304-narration-in-der-krise_45555, veröffentlicht am 17.07.2014. Buch-Nr.: 45555 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenPolitikwissenschaftler, Promotionsstudent, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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