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/ 11.06.2013
Diane Wogawa

Missbrauch im Sozialstaat. Eine Analyse des Missbrauchsarguments im politischen Diskurs

Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2000; 174 S.; brosch., 59,80 DM; ISBN 3-531-13455-8
Diss. Leipzig; Gutachter: G. Vobruba. - Die Frage, ob sozialpolitische Leistungen - und wenn: in welchem Umfang - "missbraucht" werden, ist in der öffentlichen wie in der fachpolitischen Debatte kontrovers. Das liegt nicht nur am Mangel einschlägiger empirischer Daten; weil die sozialpolitische Arena stets umstritten ist, hat das Thema des "Sozialstaatsmissbrauchs" immer auch eine Komponente, die auf spezifische - oftmals nicht explizierte - Interessenlagen gegenüber dem Sozialstaat verweist. Auf der Basis einer Inhaltsanalyse von (insgesamt 503) Artikeln der FAZ im Zeitraum von 1982 bis 1992 (126 ff.) will die Autorin die mediale Thematisierung des Missbrauchsvorwurfs untersuchen. Die FAZ ist als Untersuchungsmedium ausgewählt worden, weil sie als Meinungsblatt wirtschaftsnaher Eliten über Einfluss verfügt und zugleich dem Thema eine hohe Aufmerksamkeit entgegenbringt (100 ff.). Dem empirischen Teil ist einerseits eine differenzierte Darstellung der Eigenlogik der sozialpolitischen Missbrauchdiskussion vorangestellt (13 ff.), die auch den Versuch einer Kontrastierung mit der sozialstaatlichen Realität des Missbrauchs unternimmt (42 ff.). Andererseits entwickelt die Autorin in Auseinandersetzung mit gängigen Ansätzen der Medienforschung die Analysekategorien für den empirischen Teil ihrer Studie (79 ff.). Und dieser unterstreicht, dass es "sich bei dem konstruierten Problem 'Mißbrauch' um ein öffentlich weitgehend durchgesetztes Muster [handelt], das kaum Alternativdeutungen zugänglich ist" (165), weil die Missbrauchsthematisierung im hohen Maße unabhängig vom "Mißbrauch in der sozialstaatlichen Realität" erfolgt (166). Aus dem Inhalt: I. Theoretische Erörterungen: 1. Die Eigenlogik der sozialpolitischen Mißbrauchsdiskussion: 1.1 Bestimmung des Begriffs "Mißbrauchsdiskussion"; 1.2 Mißbrauch als "soziales Problem"; 1.3 Das Mißbrauchsargument - Kontexte und Intentionen; 1.4 Thematische Schwerpunkte der Mißbrauchsdiskussion; 1.5 Gegenüberstellung von "Mißbrauch" im Rahmen der Mißbrauchsdiskussion und "Mißbrauch" in der sozialstaatlichen Realität anhand von Begriffen, Inhalten und empirischen Befunden. 2. Medien und Medienanalyse: 2.1 Über die Methode der Inhaltsanalyse; 2.2 Wichtige Ansätze innerhalb der Medienforschung: 2.2.1 Gatekeeper; 2.2.2 Themenselektion anhand von Nachrichtenfaktoren; 2.2.3 Agenda Setting; 2.2.4 Die Schweigespirale; 2.2.5 Reflexions- versus Kontrollhypothese; 2.2.6 Zusammenfassung und Operationalisierung für den Mißbrauchsdiskurs. 3. Das Untersuchungsmedium FAZ: 3.1 Die FAZ als Gegenstand von Inhaltsanalysen; 3.2 Charakterisierung von Elitepresse und Boulevardpresse; 3.3 Die FAZ als Meinungsblatt; 3.4 Der Zeitraum der FAZ-Analyse. II. Empirische Untersuchung: 1. Design und Durchführung der Inhaltsanalyse; 2. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse: 2.1 Gesamtfrequenzen; 2.2 Inhaltliche Verteilungen; 2.3 Vergleiche zwischen der Gesamtfrequenz und den Frequenzen der Teildebatten: 2.3.1 Teildebatte "Mißbrauch der Krankenversicherung"; 2.3.2 Der unspezifische Mißbrauchsvorwurf; 2.3.3 Teildebatte "Mißbrauch der Arbeitslosenversicherung"; 2.3.4 Teildebatte "Mißbrauch der Sozialhilfe". 2.4 Querschnittsbetrachtungen spezifischer Zeitabschnitte; 2.5 Vergleich der Inhaltsanalyse-Daten mit Extra-Media-Daten.
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3422.333 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Diane Wogawa: Missbrauch im Sozialstaat. Opladen/Wiesbaden: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11444-missbrauch-im-sozialstaat_13579, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 13579 Rezension drucken
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