/ 04.06.2013
Konrad Weiß
Lothar Kreyssig. Prophet der Versöhnung
Gerlingen: Bleicher Verlag 1998 (Zeugen der Zeit); 464 S.; 54,- DM; ISBN 3-88350-659-1Der Autor erzählt in diesem umfangreichen Buch die Lebensgeschichte eines Mannes, dessen Brüche und Wandlungen, charakterlich, weltanschaulich und politisch, faszinieren. Vom Corpsstudenten und entschiedenen Gegner der Weimarer Republik entwickelte sich Kreyssig zum leidenschaftlichen Befürworter der Republik nach 1945, vom Laizisten zum aufrechten protestantischen Christen, vom Deutschnationalen zum Fürsprecher der Ökumene und des Dialogs mit dem Judentum. Die Biographie schildert, gestützt auf zahlreiche persönliche Dokumente, wie besonders auch auf ein bisher unveröffentlichtes autobiographisches Fragment, die unterschiedlichen Stationen im Leben des sächsischen Juristen und späteren Kirchenmannes. Am bekanntesten, aber bei weitem nicht bekannt genug, ist wohl der mutige Protest des Vormundschaftsrichters Kreyssigs gegen die "Euthanasie"-Verbrechen der Nationalsozialisten in Form einer Anzeige wegen Mordes gegen den Reichsleiter der SS, Philipp Bouhler.
Bekannt wurde Kreyssig dann 1958, mitten in der Debatte zur Haltung der Evangelischen Kirche zur atomaren Bewaffnung der Bundeswehr, auch als Begründer der "Aktion Sühnezeichen", für die in beiden Teilen Deutschlands und bis heute junge Freiwillige in den ehemaligen Feindländern Deutschlands durch praktische soziale Arbeit ein Signal der Versöhnung setzen.
Kaspar Nürnberg (KN)
M. A., Historiker, Geschäftsführer des Vereins Aktives Museum, Berlin.
Rubrizierung: 2.3 | 2.313
Empfohlene Zitierweise: Kaspar Nürnberg, Rezension zu: Konrad Weiß: Lothar Kreyssig. Gerlingen: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/5405-lothar-kreyssig_7082, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 7082
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M. A., Historiker, Geschäftsführer des Vereins Aktives Museum, Berlin.
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