/ 29.10.2015
Mihai Márton / Dorin Dobra / Zsolt K. Lengyel (Hrsg.)
Kooperation in Europa/Cooperation in Europe. Modelle aus dem 20. Jahrhundert/Models from the 20th Century
Regensburg: Friedrich Pustet 2014; 160 S.; kart., 26,95 €; ISBN 978-3-7917-2640-3Auch wenn das 20. Jahrhundert in Europa ein Jahrhundert des Krieges war, so blieb die Zusammenarbeit als Konfliktbewältigung stets eine Option. Nicht nur in Westeuropa, auch in Mittel‑ und Osteuropa bildeten sich zahlreiche Kooperationsmodelle, die „bei erster Betrachtung nicht unterschiedlicher sein könnten“ (7), denkt man an den Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe oder die Mitteleuropäische Freihandelszone. Dieses Buch versammelt Beiträge in deutscher und englischer Sprache aus einem internationalen Kolloquium der Universitäten Regensburg und Babes‑Bolyai in Cluj‑Napoca. Die Aufsätze sind der großen Bandbreite der Kooperationsformen in der genannten Region gewidmet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Zwischenkriegszeit, dem Zeitalter der kommunistischen Diktaturen und der anschließenden demokratischen Periode. Bernadette Baumgartner hebt in ihrem Beitrag die paneuropäische Bewegung in Ungarn hervor, die aus den Revisionsbestrebungen des Vertrages von Trianon entstand, jedoch die friedliche Kooperation mit den Nachbarländern zum Ziel hatte und von den liberal‑demokratisch gesinnten Intellektuellen in Ungarn unterstützt wurde. Dennoch: Die Paneuropa‑Idee, wie sie von Coudenhove‑Kalergi propagiert wurde, litt oftmals unter fehlendem Vertrauen und wurde für verschiedene einzelstaatliche Interessen instrumentalisiert, wie Nils Müller in seinem Beitrag darlegt. Christiane Mady zeigt dagegen anhand der ungarischen Autoindustrie auf, dass der Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe nicht mit den wirtschaftlichen Kooperationsformen in Westeuropa vergleichbar war, da das „rigide Außenhandelssystem“ (94) vielfältigen Beschränkungen unterlag. Die anfänglich hohen Erwartungen konnten nicht ansatzweise erfüllt werden. Nach der demokratischen Wende kam es zur Gründung vieler grenzüberschreitender Kooperationsformen auf lokaler und regionaler Ebene, mit denen sich Ralf Göllner beschäftigt. Diese spielen eine wichtige Rolle für die europäische Integration und sind gleichsam Instrument einer Annäherung zwischen den EU‑Staaten und den Staaten ohne Beitrittsperspektive: „However, on the long run cross‑border cooperation at the external borders seems to be the lasting and predominant option of greater integration between EU‑members and non‑members without an accession.“ (132) Das Buch bietet einen fundierten Überblick über die Zusammenarbeit in Mittel‑ und Osteuropa und schließt damit eine Lücke in der Dokumentation.
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Rubrizierung: 2.61 | 3.1 | 3.4 Empfohlene Zitierweise: Fabrice Gireaud, Rezension zu: Mihai Márton / Dorin Dobra / Zsolt K. Lengyel (Hrsg.): Kooperation in Europa/Cooperation in Europe. Regensburg: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/39016-kooperation-in-europacooperation-in-europe_46966, veröffentlicht am 29.10.2015. Buch-Nr.: 46966 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenCC-BY-NC-SA