/ 04.06.2013
Eva Sabine Kuntz
Konstanz und Wandel von Stereotypen. Deutschlandbilder in der italienischen Presse nach dem Zweiten Weltkrieg
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 1997 (Italien in Geschichte und Gegenwart 9); 450 S.; brosch., 98,- DM; ISBN 3-631-32157-0Anhand der Berichterstattung über dreizehn Ereignisse - von den Wahlen zum ersten Deutschen Bundestag über die Fußballweltmeisterschaft 1954 in Bern bis zum Fall der Mauer und dem Brandanschlag von Mölln im November '92 - untersucht die Autorin, wie Deutschland in Italien wahrgenommen wird und welche Stereotypen das italienische Deutschlandbild prägen. Dabei gelingt es ihr, "Kontinuitätslinien bzw. Brüche aufzudecken und die Bestimmungsfaktoren für diese Konstanz beziehungsweise den Wandel von Stereotypen ausfindig zu machen" (29). Sie kommt zu folgendem erfreulichen Ergebnis: "1992 zeichnet die italienische Deutschlandperzeption kein idyllisches, aber doch ein hoffnungsfroh stimmendes Bild" (409), auch deswegen, weil die "Vergangenheit" als Erklärungsmuster immer mehr an Bedeutung gegenüber dem Bezugsrahmen "Europa" verliert.
Kuntz hat vor allem den Corriere della Sera und La Stampa ausgewertet und deren Berichterstattung immer mit dem Stand der offiziellen deutsch-italienischen Beziehungen konfrontiert, wie er sich aus den diplomatischen Akten, Tagebüchern und Memoiren rekonstruieren läßt; denn sie geht davon aus, daß sich die Bilder der politischen Eliten, der Meinungsmacher und der Bevölkerung wechselseitig beeinflussen. Eine derart gründliche Arbeit vergißt auch nicht, die Stellung der herangezogenen Zeitungen in der italienischen Medienlandschaft zu verorten. Ihre Analyse des Deutschlandbildes beginnt mit der Darstellung der historischen Aspekte, sowohl des Blickes der Italiener auf Deutschland als auch ihres Selbstverständnisses.
Inhalt: II. Die Rolle der Medien im politischen System Italiens: 1. Journalismus all'italiana: Charakteristika der italienischen Tagespresse; 2. Corriere della Sera; 3. La Stampa; 4. Aspekte journalistischen Selbstverständnisses. III. Strukturen italienischer Deutschlandbilder: 1. Historische Aspekte des Deutschlandbildes; 2. Die Jahre 1943-1945; 3. Die Jahre 1945-1990/Die großen Leitlinien. IV. Empirische Analyse von Deutschlandbildern in der italienischen Presse: 1. Die Wahlen zum ersten Deutschen Bundestag (14. August 1949); 2. Besuch Konrad Adenauers in Rom und im Vatikan (14.-18. Juni 1951); 3. Die Jahre 1945-1990/Die großen Leitlinien; 4. Deutschland wird Fußball-Weltmeister (4. Juli 1954); 5. Die "Spiegel-Affäre" (ab 26. Oktober 1962); 6. Besuch John F. Kennedys in der Bundesrepublik (23.-26. Juni 1963); 7. Das "Dutschke-Attentat" (11. April 1968); 8. Willy Brandts Kniefall in Warschau (7. Dezember 1970); 9. Die "Kappler-Flucht" (15. August 1977); 10. Andreottis Äußerungen zum pangermanesimo (13. September 1984); 11. Die "Jenninger-Rede" zum 50. Jahrestag der Reichspogromnacht (10. November 1988); 12. Der Fall der Berliner Mauer (9. November 1989); 13. Der Brandanschlag von Mölln (23. November 1992). V. Schlußbetrachtung: 1. Allgemeine Ergebnisse; 2. Entwicklung des Deutschlandbildes seit 1949; 3. Aspekte des Deutschlandbildes; 4. Bestimmungsfaktoren für die Deutschlandperzeption der italienischen Medien.
Heinz-Werner Höffken (Hö)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.61 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Heinz-Werner Höffken, Rezension zu: Eva Sabine Kuntz: Konstanz und Wandel von Stereotypen. Frankfurt a. M. u. a.: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/5306-konstanz-und-wandel-von-stereotypen_6971, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 6971
Rezension drucken
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
CC-BY-NC-SA