/ 21.06.2013
Edgar Hösch
Kleine Geschichte Finnlands
München: C. H. Beck 2009 (Beck'sche Reihe 1889); 167 S.; 12,95 €; ISBN 978-3-406-58455-8Eine „Außenansicht der finnischen Geschichte aus einer mitteleuropäischen Perspektive“ (11) bietet der Historiker Hösch in dieser Überblicksdarstellung. Über das engere Staatsterritorium hinaus nimmt er auch das weitere Umfeld der Ostseeregion in den Blick. Einen besonderen Platz in der Geschichte nimmt das Jahr 1809 ein, als Schweden gegen Russland einen Krieg verlor und die finnischen Gebiete abtreten musste. Damals habe sich – nicht zufällig kurz nach der Französischen Revolution – eine kulturelle und politische Partizipation entwickelt, die vorerst in eine relative Autonomie im Russischen Reich gemündet sei, so Hösch. Unabhängig erklärte sich Finnland nach der bolschewistischen Revolution schließlich im Dezember 1917. Nach einer kurzen Darstellung des von der Sowjetunion 1939 begonnenen Winterkrieges geht Hösch auf die Nähe Finnlands zum nationalsozialistischen Deutschland und die Auswirkungen dieser Entwicklung ein. Der Antisemitismus allerdings habe sich nicht einmal im rechten politischen Spektrum nennenswert etablieren können, da der Rassegedanke „bei der Selbstfindung des ‚Echtfinnentums’ kein beherrschendes Thema“ (134) gewesen sei. Hösch weist allerdings auch darauf hin, dass Finnland mit einer rigorosen Flüchtlingspolitik ausländischen Juden den Schutz versagte. Weitere Kapitel sind der Nachkriegszeit nach dem Waffenstillstandsabkommen mit der Sowjetunion von 1944 gewidmet, in dieser Zeit stand Finnland vor einem wirtschaftlichen und politischen Scherbenhaufen. Vollständig von der Sowjetunion bzw. dann der Russischen Föderation lösen konnte sich das Land erst 1992 mit der Aufhebung des sowjetisch-finnischen Freundschaftsvertrages. Hösch stellt abschließend die rasanten Veränderungen im Zuge der europäischen Integration dar und hebt die Erfolge in der Bildungs- und Forschungspolitik hervor. Die informative Darstellung endet mit einer Würdigung des ehemaligen finnischen Präsidenten Martti Ahtisaari, der 2008 den Friedensnobelpreis erhielt.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.61
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Edgar Hösch: Kleine Geschichte Finnlands München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30652-kleine-geschichte-finnlands_36403, veröffentlicht am 16.07.2009.
Buch-Nr.: 36403
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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