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/ 11.06.2013
Arne Heise

Grenzen der Deregulierung. Institutioneller und struktureller Wandel in Großbritannien und Deutschland

Berlin: edition sigma 1999 (Forschung aus der Hans-Böckler-Stiftung 15); 211 S.; 27,80 DM; ISBN 3-89404-875-1
In dieser Studie, die im Rahmen des Forschungsprojekts "Wirtschaftswandel und Beschäftigung im Globalisierungsprozeß" am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut in der Hans-Böckler-Stiftung angefertigt wurde, untersucht der Autor den Einfluß von Arbeitsmarktinstitutionen auf den wirtschaftlichen Strukturwandel der letzten beiden Jahrzehnte. Der Vergleich von Deutschland und Großbritannien, der zahlreiche ökonomische Rahmendaten aus den 70er, 80er und 90er Jahren vergleichend präsentiert, fördert dabei interessante Erkenntnisse zutage. Vier theoretische Modelle werden auf ihre Erklärungskraft für die empirischen Entwicklungen, insbesondere die der Arbeitslosigkeit, hin überprüft: das neo-klassische Marktmodell, das korporatistische Konsensmodell, ein Strukturmodell, das die Lohnstruktur an sektoralen Produktivitätsunterschieden ausrichtet, und ein post-keynesianisches Modell, welches den Arbeitsmarkt in Abhängigkeit vom Geldmarkt sieht. Im Zuge der Überprüfung dieser Modelle kommt der Autor zum Schluß, daß weder das neoklassische Markträumungsmodell noch das Strukturmodell zufriedenstellende Erklärungskraft besitzen. Vielmehr seien mit den im Zeitablauf unterschiedlichen Orientierungen der jeweiligen makroökonomischen Geld- und Finanzpolitik sowie des Wechselkurses auch der größte Teil der Schwankungen im Investitionsverhalten und - in direkter Abhängigkeit - der Arbeitslosigkeit zu erklären. Damit kommt Heise zum Ergebnis, daß Arbeitsmarktinstitutionen, wie etwa umfassende Gewerkschaften oder die zentralisierte Lohnfindung, durch Tarifverhandlungen den Strukturwandel weder behindern noch zwingend dafür erforderlich sind. Maßgeblich für Beschäftigungswachstum ist dem Autor zufolge vielmehr eine expansive Finanz- und Geldpolitik sowie eine unterbewertete Währung, welche die Investitionsquote fördert und auf diesem Wege Arbeitsplätze schafft. Trotz oftmals schlecht lesbarer Schaubilder stellt die Studie aufgrund der kritischen Betrachtung der Beschäftigungseffekte des Thatcherismus in Großbritannien und der weitgehenden institutionellen Kontinuität in Deutschland eine willkommene Ergänzung zu neoklassisch geprägten Arbeitsmarktanalysen dar.
Tamara Keating (TK)
Dr., Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.2622.612.342 Empfohlene Zitierweise: Tamara Keating, Rezension zu: Arne Heise: Grenzen der Deregulierung. Berlin: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9902-grenzen-der-deregulierung_11676, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 11676 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA