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/ 22.06.2013
Michael Brenner (Hrsg.)

Geschichte der Juden in Deutschland. Von 1945 bis zur Gegenwart. Politik, Kultur und Gesellschaft

München: C. H. Beck 2012; 542 S.; geb., 34,- €; ISBN 978-3-406-63737-7
Der voluminöse und materialreiche Band entstand in einem Projekt des in Jerusalem, London und New York ansässigen Leo Baeck Instituts, einer maßgeblichen Einrichtung zur Erforschung von Geschichte und Kultur des deutschsprachigen Judentums. Er ist als Ergänzung der vierbändigen „Deutsch-jüdischen Geschichte in der Neuzeit“ (1996/97) zu verstehen, die wie die bisherige Arbeit des Instituts auf die Zeit bis 1945 konzentriert war. Auch aufgrund der umfangreichen Beigaben mit Zeittafeln, Statistiken, Registern und detaillierten Literaturhinweisen wird er sich sicher schnell als maßgebliches Einführungs-, Überblicks- und Nachschlagewerk etablieren. Die internationale Autorengruppe schildert jüdisches Leben in West- und Ostdeutschland (mit Schwerpunkt auf der Bundesrepublik) in vier Großkapiteln und einem vorgeschalteten Essay des in Leipzig und Jerusalem wirkenden Historikers Dan Diner: Nach 1945 galt Deutschland zunächst als geächtetes Land. Die den nationalsozialistischen Terror überlebenden Juden zogen sich weitgehend ins Privatleben zurück. Mit dem Heranwachsen einer zweiten Generation im Land und wachsenden Zuwanderungszahlen begann sich diese Wahrnehmung einer „blutgetränkten Erde“ (11) allmählich zu verlieren. Gleichwohl existierte weiter das Gefühl, „auf gepackten Koffern“ (12) zu sitzen. Erst ab den 1980er-Jahren war ein verstärktes Auftreten in den Medien zu verzeichnen, liberale Gemeinden entstanden. Gleichzeitig wandelte sich die Wahrnehmung jüdischen Lebens in der deutschen Öffentlichkeit. Nach 1989/91 kam es zu einem massiven Anstieg der Einwanderung aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, die Mitgliederzahlen der im Zentralrat der Juden organisierten Gemeinden vervierfachten sich auf etwa 110.000. Auch wenn es leider nach wie vor antisemitische Einstellungen in der deutschen Bevölkerung gibt, wie etwa der Angriff auf einen Rabbiner in Berlin Ende August 2012 gezeigt hat: „die Koffer“ sind „nun ausgepackt, die Juden in Deutschland angekommen.“ (14)
Martin Munke (MUN)
M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.32.3132.3152.35 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Michael Brenner (Hrsg.): Geschichte der Juden in Deutschland. München: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35624-geschichte-der-juden-in-deutschland_42990, veröffentlicht am 13.12.2012. Buch-Nr.: 42990 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA