/ 05.06.2013
Barbara Rheinbay-Lehmann
Frauen in den neuen Bundesländern. Auswirkungen der wirtschaftlichen und politischen Einheit auf die Situation der weiblichen Bevölkerung Thüringens
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 1998 (Europäische Hochschulschriften: Reihe XXXI, Politikwissenschaft 366); 592 S.; brosch., 138,- DM; ISBN 3-631-33526-1Politikwiss. Diss. Mainz; Erstgutachter: W. Weidenfeld. - Die Arbeit ist im Kontext eines vom rheinland-pfälzischen Wissenschaftsministerium geförderten Forschungsprojekts mit dem Titel "Frauen im vereinten Deutschland" entstanden. Anhand der Lebensbereiche "Arbeit", "Familie und Haushalt" sowie "Politik und Gesellschaft" zeichnet Rheinbay-Lehmann die spezifische Situation thüringischer Frauen nach der Vereinigung auf. Der Untersuchungszeitraum umfaßt die Jahre 1990 bis 1993. Die genannten Lebensbereiche werden in einem Dreischritt untersucht: Der Darstellung der objektiven Lebensbedingungen schließt sich eine Analyse der gesellschaftspolitischen Dimension an, die schließlich zur Frage nach dem subjektiven Wohlbefinden überleitet. Für den Bereich Arbeit heißt dies etwa, daß erstens die Frauenerwerbstätigkeit und -arbeitslosigkeit in Thüringen dargestellt wird, zweitens ein Überblick über die arbeitsmarktpolitischen Instrumente und Förderprogramme für Frauen gegeben wird und drittens anhand von Ergebnissen der Meinungsforschung etwa die Berufsmotivation oder das Verhältnis zwischen Hausfrau und Berufstätigkeit herausgearbeitet wird. Im Mittelpunkt stehen dabei qualitative Daten aus einer Interviewreihe, die Rheinbay-Lehmann in Thüringen durchgeführt hat. Diese erweisen sich als äußerst aufschlußreiche Ergänzung der sozialstrukturellen und quantitativ-empirischen Daten. Laut Rheinbay-Lehmann erlebten die ostdeutschen Frauen "nach der Wende den Bruch mit alten Leitbildern und die Zerstörung ihrer DDR-typischen Lebenswelten häufig besonders schmerzlich" (544). Interessanterweise spielt dabei neben der Rückschau auf die DDR auch der Blick auf die westdeutschen Frauen eine große Rolle, denen - in Verkennung der Realität - das Leitbild der "Nur-Hausfrau" (545) unterstellt wird. Rheinbay-Lehmann stellt darüber hinaus ein äußerst stark ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis fest, daß sich nicht nur im Blick auf die Arbeitswelt, sondern auch und gerade in Ehe und Partnerschaft als dominant erweise. Die materialreiche Untersuchung bietet eine Fülle von Tabellen und Grafiken mit teils eigens recherchierter Daten (etwa zur Mitgliedschaft von Frauen in Parteien und Gewerkschaften) und leistet damit einen Beitrag zu einem kaum erforschten Aspekt der inneren Einheit Deutschlands.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.36 | 2.342 | 2.325
Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Barbara Rheinbay-Lehmann: Frauen in den neuen Bundesländern. Frankfurt a. M. u. a.: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7672-frauen-in-den-neuen-bundeslaendern_10180, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 10180
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Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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