/ 22.06.2013
Patrick Eser
Fragmentierte Nation – globalisierte Region? Der baskische und katalanische Nationalismus im Kontext von Globalisierung und europäischer Integration
Bielefeld: transcript Verlag 2013 (Global Studies); 535 S.; kart., 39,80 €; ISBN 978-3-8376-2344-4Politikwiss. Diss, Marburg; Begutachtung: F. Deppe, T. Bonacker. – Hinter dem gleichermaßen kryptischen wie bedeutungsschwangeren Titel verbirgt sich eine Analyse des Einflusses von Globalisierung, „Postfordismus“, „Hegemonie des Neoliberalismus“ und „europäische[r] [...] Integration“ (23) auf den baskischen und katalanischen Nationalismus. Leider vermag Patrick Eser es nicht, den Allerweltsbegriff Globalisierung mit der nötigen Genauigkeit zu definieren. So spricht er recht allgemein von einer „zeitdiagnostische[n] Kategorie“, welche die „räumlichen Transformationen der sozialen Welt“ (26) erfasse. Dagegen arbeitet er die Bedeutung der Migration für den Nationalismus der beiden Regionen ausgezeichnet heraus. Nicht minder gelungen ist ihm die Darstellung der Geschichte dieser Konflikte: Von den Auflösungserscheinungen des spanischen Nationalstaates bis hin zu den Veränderungen während der Franco‑Zeit beschreibt er die prägenden Faktoren und Phasen des katalanischen und baskischen Nationalismus. Den Kern der Studie stellt eine „Diskursanalyse der Nationalbewegungen“ (179) dar. An insgesamt vier Themenfeldern zeigt Eser aktuelle Entwicklungen auf: Alles in allem hat die genuin politische Forderung nach Abgrenzung vom spanischen Gesamtstaat in der jüngeren demokratischen Phase eine eindeutige „ökonomische Färbung“ (459) erhalten – sei es, weil dem wachsenden Einwanderungsdruck Assimilationsforderungen gegenübergestellt werden, weil die Erosion des Nationalstaates im Zuge der EU‑Integration Akzeptanz erfährt, weil die Globalisierung für einen eigenen Wettbewerbsregionalismus instrumentalisiert wird oder weil die Regionen mittlerweile mit allen Mitteln der modernen Kommunikation offensives Standortmarketing betreiben. Diese Phänomene der Abgrenzung sind daher vor allem Zeichen eines überwiegend in wohlhabenden Regionen erfolgreichen „peripheren Entwicklungsnationalismus“ (466). Jener stellt, wie Eser in seiner die Forschung zum spanischen Nationalismus durchaus bereichernden, sprachlich jedoch ermattenden Studie festhält, „einen mit der Globalisierung kompatiblen Typ des Nationalismus“ (470) dar.
Tom Mannewitz (MAN)
Dr., Politikwissenschaftler, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Chemnitz.
Rubrizierung: 2.61 | 2.23 | 2.2 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Tom Mannewitz, Rezension zu: Patrick Eser: Fragmentierte Nation – globalisierte Region? Bielefeld: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35858-fragmentierte-nation--globalisierte-region_43842, veröffentlicht am 19.06.2013.
Buch-Nr.: 43842
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Dr., Politikwissenschaftler, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Chemnitz.
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