/ 21.06.2013
Matthias Trefs
Faktionen in westeuropäischen Parteien. Italien, Großbritannien und Deutschland im Vergleich
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2007 (Nomos Universitätsschriften: Politik 145); 342 S.; brosch., 59,- €; ISBN 978-3-8329-2954-1Politikwiss. Diss. Heidelberg; Gutachter: D. Nohlen, K. von Beyme. – Den Faktionen, also den parteiinternen Gruppierungen, nähert sich Trefs mit dem Ziel, Ursachen und Katalysatoren ihrer Entstehung und Entwicklung zu ermitteln. In die empirische Untersuchung bezieht er drei Länder (Großbritannien, Italien und Deutschland) und deren wichtigste Parteien ein, um im Ergebnis übergreifende Aussagen zu treffen. In Italien untersucht er die Faktionsbildung in der Zeit der ersten Republik nach Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1994, während der Untersuchungszeitraum für Großbritannien und Deutschland bis 2005 reicht. Grundlage stellt der bisherige Forschungsstand dar, der mit einem mehrdimensionalen Ansatz neu bewertet wird: Zum ersten setzt der Autor sich mit soziologisch-historischen Faktoren auseinander, die zum einen die Entwicklung des Parteiensystems und zum anderen die der jeweiligen Partei erklären können. Als zweites geht er auf parteiexterne institutionelle Faktoren wie Wahl- und Parteiensystem ein und berücksichtigt die Eigenschaften des politischen Systems bzw. der politischen Kultur. Die dritte Gruppe von Erklärungsvariablen umfasst parteiinterne institutionelle Faktoren wie die Parteiorganisation und Organisationskultur. Den untersuchten Parteifaktionen entsprechend wird auf die Rolle einzelner Persönlichkeiten eingegangen. Mit dem gewählten Ansatz stellt er sich kritisch den Erklärungsmustern gegenüber, die im Parteien- oder Wahlsystem die Bedingungen für die Herausbildung von Faktionen sehen. Der historisch-qualitative Vergleich führt zu dem Ergebnis, dass nicht die Makroeigenschaften des Wahl- oder Parteiensystems, sondern vielmehr die spezifischen Merkmale der Parteien für die Existenz, Ausprägung und Stärke der Faktionen verantwortlich sind. Ausschlaggebend sind hierbei die ideologischen, sozialstrukturellen und bündnisstrategischen Widersprüche in den Parteien. Die am Ende entwickelte Faktionstypologie, die die Dimensionen der offiziellen Anerkennung durch die Parteiführung und den Institutionalisierungsgrad der Faktionen abbilden, sollte Anstoß für weitere Diskussionen bieten.
Stefanie John (SJ)
Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Bochum.
Rubrizierung: 2.22 | 2.331 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Stefanie John, Rezension zu: Matthias Trefs: Faktionen in westeuropäischen Parteien. Baden-Baden: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28498-faktionen-in-westeuropaeischen-parteien_33582, veröffentlicht am 02.04.2008.
Buch-Nr.: 33582
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Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Bochum.
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