Skip to main content
/ 22.06.2013
Bernd Spanier

Europe, anyone? The "Communication Deficit" of the European Union Revisited

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012 (Kommunikation in Politik und Wirtschaft 4); 172 S.; 34,- €; ISBN 978-3-8329-7100-7
Diss. Zürich; Begutachtung: F. Esser. – Über das Kommunikationsdefizit der EU ist viel geredet und geforscht worden. Gemeint ist die enorme Schwierigkeit der Brüsseler Institutionen, von den Bürgern wahrgenommen und verstanden zu werden sowie mit ihnen in einen Dialog zu treten. Spanier untersucht die gegenwärtigen Bemühungen der EU-Kommission für eine bessere Öffentlichkeitsarbeit und fragt, inwieweit noch immer von einem Defizit gesprochen werden kann. Insbesondere interessiert ihn, welche Rolle der Sprecherdienst dabei spielt. Spanier arbeitet selbst in der Kommission und hat hierzu 22 Interviews mit Kommissionssprechern sowie Pressechefs der Vertretungen der Mitgliedstaaten geführt. Die EU-Berichterstattung sieht er als Ergebnis von Interaktionsprozessen zwischen PR-Verantwortlichen und Medienvertretern in Brüssel. Hohes Gewicht bekommen dabei Krisenphasen, die er seit dem Maastricht-Vertrag nachzeichnet. Die bisherigen Bemühungen um eine Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit sieht Spanier wie andere auch als weitgehend gescheitert an. Erst in jüngerer Zeit bessert sich die Situation ein wenig. Spanier identifiziert zentrale Hürden, die u. a. im Aufbau der EU sowie in ihren politischen Themen begründet sind. Die Kommunikation mit Medienvertretern ist historisch gewachsen als Elitendialog; nach wie vor orientieren sich die Kommissare und ihre Sprecher an Entscheider-Printmedien und weniger an audiovisuellen Medien. Letztere leiden an der Begrenztheit der Darstellbarkeit komplexer Themen sowie an einem Mangel an Bildern. Den Versuch der Barroso-Kommission, stärker auf lokaler Ebene zu kommunizieren, hält Spanier für sinnvoll – der mediale Fokus bleibe aber zwangsläufig auf Brüssel ausgerichtet. „The decisive challenge for EU communication policy is thus to improve communication with the general public without neglecting the information demands of the expert sphere.“ (150) Spanier verdeutlicht, dass am Kommunikationsdefizit alle Beteiligten ihren Anteil haben – neben der EU selbst auch die Journalisten und die Bürger, die nach wie vor sehr wenig über die EU wissen und sich kaum für sie interessieren. Gerade in der Art der Präsentation durch den Sprecherdienst sieht er aber noch einiges Potenzial – nach wie vor erfolgten Präsentationen auf Pressekonferenzen in zu technischer Form und in eigenem Jargon. Die Kommissare selbst könnten quasi als Botschafter der europäischen Sache stärker in den Mitgliedstaaten für die Positionen der Kommission werben. Ein Schlüssel für den besseren Zugang zur Allgemeinheit liege aber vor allem im ernsthafteren Bemühen um eine Berichterstattung in den audiovisuellen Medien.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 3.43.1 Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Bernd Spanier: Europe, anyone? Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35280-europe-anyone_42494, veröffentlicht am 19.07.2012. Buch-Nr.: 42494 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA