/ 06.06.2013
Ines-Jacqueline Werkner / Antonius Liedhegener (Hrsg.)
Europäische Religionspolitik. Religiöse Identitätsbezüge, rechtliche Regelungen und politische Ausgestaltung
Wiesbaden: Springer VS 2013 (Politik und Religion); 319 S.; brosch., 39,95 €; ISBN 978-3-658-00958-8Die im Band dokumentierten Beiträge der Jahrestagung 2011 des Arbeitskreises „Politik und Religion“ kreisen mit drei thematischen Schwerpunkten um die Forderung von Jacques Delors, Europa eine Seele zu geben – wobei das Seelische mit der Religion verbunden wird. Zunächst wird das Verhältnis der europäischen Identität zur Religion bestimmt, dann werden die rechtlichen Regelungen der EU zur Religion erörtert und schließlich wird die EU‑Religionspolitik untersucht. Der Band zeichnet sich einerseits durch umfassende Analysen und eine Fülle von Fakten aus; insbesondere die Beiträge zur Rechtslage sind so vollgestopft mit Daten und Details, dass man sie nicht mehr flüssig lesen, wohl aber als hilfreiches Nachschlagewerk benutzen kann. Andererseits ist das Ergebnis ernüchternd: Der „Einfluss der Religion auf die europäische Integration ist begrenzt“ (77), das europäische Religionsrecht ist „eine nachlaufende Entwicklung“ (156) und die Religionspolitik der EU hat „bestenfalls begrenzten Einfluss“ (260), weil sie weitgehend von den Nationalstaaten bestimmt wird. Aber es spricht für diesen Band, diese Ergebnisse nüchtern und präzise zu dokumentieren. Sie werden kontrastiert mit innovativen Vorschlägen, wie die Religion stärker mit der EU zu verweben wäre. So verweist Mariano Barbato auf Erinnerungsorte wie Jerusalem, an denen die religiösen Kontroversen Europas lebendig gehalten werden sollen, um Religion weder zu verdrängen noch zu verharmlosen. Matthias Belafi deutet die Dialogverpflichtung im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union als wechselseitige Herausforderung an Politik und Religionen, diese Rechtslage nunmehr mit Leben zu füllen. Und Ludger Viefhues‑Bailey weist darauf hin, dass Religion nicht mehr nur Frömmigkeit bedeute, sondern auch eine Kulturkraft entfaltet habe, sodass sie „in die Legitimierung säkularer Staaten eingebunden“ (316) ist – auch für Nichtgläubige.
Volker Stümke (VS)
Dr., evangelischer Theologe, Priv.-Doz. für evangelische Sozialethik, Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg.
Rubrizierung: 3.5 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Volker Stümke, Rezension zu: Ines-Jacqueline Werkner / Antonius Liedhegener (Hrsg.): Europäische Religionspolitik. Wiesbaden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8689-europaeische-religionspolitik_43947, veröffentlicht am 05.06.2013.
Buch-Nr.: 43947
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Dr., evangelischer Theologe, Priv.-Doz. für evangelische Sozialethik, Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg.
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