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/ 05.06.2013
Stefan Empter / Andreas Esche (Hrsg.)

Eigenverantwortung und Solidarität. Neue Wege in der Sozial- und Tarifpolitik. Ergebnisse der internationalen Recherche zum Carl Bertelsmann-Preis 1997

Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung 1997; 200 S.; brosch., 20,- DM; ISBN 3-89204-330-2
Die Bertelsmann Stiftung tritt schon seit längerem engagiert und unter hoher Beachtung in der Medienöffentlichkeit als Verfechterin eines Reformkonzeptes von Staat und Gesellschaft auf, das sich - in Kurzform - als Verbindung des Subsidiaritätsgedankens mit Maximen des Public-Management charakterisieren ließe. Diese Rolle übt die Stiftung durch eine professionelle Publikations- und Konferenzstrategie aus, zu der auch die Auslobung des Carl Bertelsmann-Preises gehört, mit der "konstruktive Beiträge zur menschen- und sachgerechten Weiterentwicklung der demokratischen Gesellschaftsordnung" gefördert werden sollen (15). Vor diesem Hintergrund hat diese Studie - obschon vom Zuschnitt ein komparatistischer, 11 OECD-Staaten vergleichender Ansatz verfolgt wird - eher den Status einer Denkschrift als einer Analyse. Das liegt einerseits an der sehr pauschal vorgenommenen Diagnose, die Konstruktionsprinzipien und finanzielle Ausstattung des Sozialstaates als Kernproblem (allerdings nicht nur im Falle Deutschlands) behauptet (20 f.). Andererseits werden die als Bewertungsgrundlage des Ländervergleichs herangezogenen "Leitlinien für subsidiäres Handeln" - in den Dimensionen: Staat, Tarifparteien, Unternehmer, Bürger - ohne nähere Begründung als normatives "Soll" postuliert (23 ff.). Methodisch stützt sich der von Mitarbeitern der Prognos AG/Basel verfaßte Soll-Ist-Vergleich primär auf einschlägige OECD-Statistiken (wirtschaftliche Entwicklung, Beschäftigung und Arbeitsmarkt, Sozialpolitik, industrielle Beziehungen; - im Anhang dokumentiert [159 ff.]), als Ergänzung dienen internationale Befragungen von Managern (zur Unternehmenskultur) und Bürgern (zum ehrenamtlichen Engagement). Die aufgestellten "Lehren für Deutschland" (149 ff.) - das in diesem Länder-Ranking im unteren Mittelfeld rangiert - scheinen in der Hauptsache an die nationalen Eliten adressiert zu sein: "Die Einsicht, das notwendige Eigenengagement leisten zu müssen, hat sich bei den Bürgern möglicherweise sogar schon stärker durchgesetzt, als dies von Politikern, Gewerkschaftlern und Arbeitgebern bisher erkannt wurde." (157). Inhalt: Reinhard Mohn: Eigenverantwortung und Solidarität - Thesen (9-11); Stefan Empter / Andreas Esche: Carl Bertelsmann-Preis 1997 - Zielsetzung und Vorgehen (13-18). Hans J. Barth / Rita Baur / Oliver Lang: Neue Wege in der Sozial- und Tarifpolitik - Internationale Recherche (19-147); Hans J. Barth: Lehren für Deutschland (149-157).
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2622.342 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Stefan Empter / Andreas Esche (Hrsg.): Eigenverantwortung und Solidarität. Gütersloh: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7390-eigenverantwortung-und-solidaritaet_9836, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 9836 Rezension drucken
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