/ 05.06.2013
Arnd Bauerkämper / Martin Sabrow / Bernd Stöver (Hrsg.)
Doppelte Zeitgeschichte. Deutsch-deutsche Beziehungen 1945-1990
Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 1998; 455 S.; hardc., 58,- DM; ISBN 3-8012-4090-8Ausgangspunkt des Sammelbandes, der Christoph Kleßmann zum 60. Geburtstag gewidmet ist, ist "das Fehlen einer eigentlichen DDR-Historie vor 1989" (15). Zwar gebe es eine Vielzahl von Studien zum Umfeld der Wende und Vereinigung, aber eben kaum systematische Darstellungen und Analysen der Zeit davor, die insbesondere die wechselseitigen Einflüsse zwischen den beiden deutschen Staaten berücksichtige: "Erst in der Verbindung von vergleichs- und beziehungsgeschichtlichen Interpretationsdimensionen aber enthüllen sich die Verflechtungen, die die doppelte deutsche Zeitgeschichte prägen halfen." (15). Mit dieser Perspektive, die die Herausgeber durch die Formel "Verflechtung in der Abgrenzung" kennzeichnen, widmen sich die Autoren - meist Historiker - einer Fülle von Vergleichs-, aber auch Unterscheidungspunkten der beiden deutschen Staaten. Dabei ist die Frage nach strukturellen Gemeinsamkeiten und Asymmetrien sicherlich jeweils einzeln zu diskutieren und damit nicht unstrittig - was auch in unterschiedlichen Akzentuierungen der Beiträge hervortritt.
Inhalt: Einleitung: Arnd Bauerkämper / Martin Sabrow / Bernd Stöver: Die doppelte deutsche Zeitgeschichte (9-16). I. Abgrenzung und Verflechtung: Der Stellenwert der staatlichen Teilung für die Geschichte von Bundesrepublik und DDR: Ute Frevert: Die Sprache des Volkes und die Rhetorik der Nation. Identitätssplitter in der Nachkriegszeit (18-31); Lothar Albertin: Politische Jugendarbeit und nationale Frage im geteilten Deutschland 1945-1961. Zu wenig Diskurse im Kalten Krieg (32-43); Manfred Görtemaker: Die Ursprünge der "neuen Ostpolitik" Willy Brandts (44-57); Axel Schildt: Zwei Staaten - eine Hörfunk- und Fernsehnation. Überlegungen zur Bedeutung der elektronischen Massenmedien in der Geschichte der Kommunikation zwischen der Bundesrepublik und der DDR (58-71). II. Wahrnehmungs- und Deutungsmuster im Ost-West-Konflikt: Jerzy Holzer: Polen und die deutsche Zweistaatlichkeit 1949-1989 (74-82); Wladislaw Markiewicz: Die deutsche Einheit aus der Sicht Polens (83-88); Detlev Zimmermann: Zur deutsch-deutschen Wahrnehmung der Krisen im stalinistischen Herrschaftssystem und ihrer Folgen 1956 (89-101); Michael Lemke: Das Adenauer-Bild der SED (102-112); Martin Sabrow: Der Streit um die Verständigung. Die deutsch-deutschen Zeithistorikergespräche in den achtziger Jahren (113-130); Werner Bramke: Kooperation in der Konfrontation: Begegnungen in der deutsch-deutschen Geschichtslandschaft in den achtziger Jahren (131-139). III. Milieus und Identitäten im Vergleich: Josef Mooser: Die Arbeiterbewegung in der Bundesrepublik und die DDR in den fünfziger Jahren (142-157); Klaus Schönhoven: Sozialdemokratie im Wandel. Selbstverständnis und Sozialstruktur der SPD in den sechziger und frühen siebziger Jahren (158-167); Wolfgang Jacobmeyer: DDR-Geschichte im Hauptschulbuch der Bundesrepublik (168-178); Simone Barck: "Zu groß angelegt?" "Die Republik" - ein gescheitertes Zeitungsprojekt der DDR in den fünfziger Jahren (179-196); Georg Wagner-Kyora: Arbeiter ohne Milieu und Angestellte im Abseits? Fragen an eine Sozialgeschichte der DDR-Chemieindustrie (197-213); Helga Grebing: Dritte Wege - 'Last Minute'? Programmatische Konzepte über Alternativen zu den beiden 'real existierenden' Deutschland zwischen Ende 1989 und Anfang 1990 (214-223); Peter Hübner: Omnia vincit labor? Historische Aspekte der Beschäftigungskrise in Deutschland nach 1990 (224-233); Peter Steinbach: Neuorientierung im Umbruch. Zum Wandel des Selbstverständnisses deutscher Kriegsgefangener in England und den USA (234-250); Mario Keßler: Zwischen Kommunismus und Sozialdemokratie, zwischen Ost und West. Die marxistischen Kleingruppen auf dem Weg in die deutschen Nachkriegsgesellschaften (251-266). IV. Widerstand: Handlungsfelder und Legitimationsmuster: Bernd Faulenbach: Die Verfolgungssysteme des Nationalsozialismus und des Stalinismus. Zur Frage ihrer Vergleichbarkeit (268-281); Gisela Diewald-Kerkmann: Vertrauensleute, Denunzianten, Geheime und Inoffizielle Mitarbeiter in diktatorischen Regimen (282-293); Arnd Bauerkämper: Abweichendes Verhalten in der Diktatur. Probleme einer kategorialen Einordnung am Beispiel der Kollektivierung der Landwirtschaft in der DDR (294-311); Bernd Stöver: Der Fall Otto John (312-327). V. Die doppelte Vergangenheit als Herausforderung der Zeitgeschichtsforschung: Theoretische Fragen einer deutsch-deutschen Vergleichs- und Beziehungsgeschichte: Falk Pingel: Vom Paradigma der Weltrevolution zur Unbestimmtheit der Postmoderne - was heißt "Zeitgeschichte" im Ost-West-Vergleich heute? (330-345); Hans-Ulrich Wehler: Diktaturenvergleich, Totalitarismustheorie und DDR-Geschichte (346-352); Arnold Sywottek: Nach zwei Diktaturen? Über Perspektiven deutscher Gesellschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert (353-363); Jürgen Kocka: Nach dem Ende des Sonderwegs. Zur Tragfähigkeit eines Konzepts (364-375); Ulrich Herbert: Drei deutsche Vergangenheiten. Über den Umgang mit der deutschen Zeitgeschichte (376-390); Manfred Hettling: Umschreiben notwendig? Die Historiker und das Jahr 1989 (391-403); Werner Abelshauser: Der "Wirtschaftshistorikerstreit" und die Vereinigung Deutschlands (404-416); Norbert Frei: Die Rückkehr des Rechts. Justiz und Zeitgeschichte nach dem Holocaust - eine Zwischenbilanz (417-431); Konrad H. Jarausch: Die Provokation des "Anderen". Amerikanische Perspektiven auf die deutsche Vergangenheitsbewältigung (432-447).
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 2.313 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Arnd Bauerkämper / Martin Sabrow / Bernd Stöver (Hrsg.): Doppelte Zeitgeschichte. Bonn: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6462-doppelte-zeitgeschichte_8773, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 8773
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Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
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