/ 21.06.2013
Christian Haase / Axel Schildt (Hrsg.)
DIE ZEIT und die Bonner Republik. Eine meinungsbildende Wochenzeitung zwischen Wiederbewaffnung und Wiedervereinigung
Göttingen: Wallstein Verlag 2008 (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte 43); 312 S.; geb., 32,- €; ISBN 978-3-8353-0243-3Es handelt sich um „eine, die aus einer ganz konservativen Ecke kam, die sich aber zur klassischen Demokratin entwickelt hat“ (13). In seinem einführenden Beitrag zitiert Schildt treffend dieses Bonmot, das auf Gräfin Dönhoff gemünzt war, jedoch ebenso gut die Geschichte der ZEIT zusammenfasst. Als die ZEIT 1946 ihre Presselizenz vom britischen Militärgouverneur erhielt, war keineswegs absehbar, dass sie dereinst so etwas wie das liberale Leitmedium des deutschen Bildungsbürgertums werden könnte. In den ersten Jahren schrieb noch eine ganze Reihe von NS-belasteten Autoren für das Blatt. Christina von Hodenberg zeigt aber in ihrem informativen Artikel, dass die ZEIT selbst keineswegs davor zurückschreckte, dieses düstere Kapitel aus ihrer Anfangsphase zu thematisieren. Sie war später vielmehr führend an der Diskussion der NS-Vergangenheit, wie z. B. an der Gestaltung des deutschen Bildes vom Widerstand, beteiligt (dazu Eckart Conze und Christian Goschler). Besonders als Gerd Bucerius 1957 nach langen Kämpfen zum alleinigen Eigentümer wurde, zog langsam ein offener Geist in die Redaktion ein, für den Journalisten wie Marion Gräfin Dönhoff, Theo Sommer, Rudolf Walter Leonhardt und viele andere standen. So prägte die transatlantische Grundausrichtung führender Redakteure in außenpolitischen Fragen die Diskussion in der Bundesrepublik in hohem Maße; die ZEIT leistete publizistische Unterstützung für die Westintegration. Weniger positiv beurteilt Konrad Jarausch die Linie des Blattes im Hinblick auf die deutsche Teilung. Die Mehrheit der Redaktion habe die Einheit „mit einer Art moralischem Denkverbot“ (293) belegt. Die Wucht der Ereignisse habe dann allerdings zu einem Richtungswechsel geführt. Anhand von drei Themenbereichen (Liberalisierung und soziale Modernisierung, Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit, deutsche Teilung) analysieren 15 Historiker den Weg der meinungsbildenden Wochenzeitung durch die Geschichte. Der Band geht auf eine Tagung zurück, die im März 2007 von der Forschungsstelle für Zeitgeschichte der Universität Hamburg und der Universität Nottingham veranstaltet wurde.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.313 | 2.333 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Christian Haase / Axel Schildt (Hrsg.): DIE ZEIT und die Bonner Republik. Göttingen: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29746-die-zeit-und-die-bonner-republik_35231, veröffentlicht am 08.12.2009.
Buch-Nr.: 35231
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M. A., Politikwissenschaftler.
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