/ 18.06.2013
Habbo Knoch
Die Tat als Bild. Fotografien des Holocaust in der deutschen Erinnerungskultur
Hamburg: Hamburger Edition 2001; 1.120 S.; geb., 50,- €; ISBN 3-930908-73-5Mit seiner materialreichen Analyse unternimmt der Autor den Versuch, die Bedeutung der Fotografien des Holocaust in der deutschen Erinnerungskultur umfassend zu untersuchen. Fotografien werden dabei "nicht primär als Bildquelle", sondern vielmehr "hinsichtlich der Gebrauchsweisen betrachtet, an denen sich erinnerungskulturelle Ablagerungen von gesellschaftlichen Umgangsformen mit den Verbrechen des Nationalsozialismus ablesen lassen" (25). Eine Analyse von "Sagbarkeits- und Zeigbarkeitsregeln" (31) soll den Blick öffnen für Veränderungen im Umgang mit der fotografischen Überlieferung im Rahmen von Gedenkveranstaltungen, bildungspolitischen Debatten und literarischen Darstellungen. Dabei werden vier Phasen der westdeutschen "Vergangenheitsbewältigung" bis zur Mitte der Sechzigerjahre unterschieden. Die erste der "Konfrontationen" (49-281) schließt die alliierten Aufklärungskampagnen nach 1945 an die Tradition der "Politisierung der toten und zerstörten Körper" (63) zu propagandistischen Zwecken im 20. Jahrhundert an. Anfang der Fünfzigerjahre verstärkte sich in der Phase der "Bewältigungen" (383-425) der Rückzug aus der visuellen Vergegenwärtigung des Krieges und der Verbrechen durch die "Schaffung eigener Opferbilder" zum Zweck der "Selbstrechtfertigung" (423). Mit dem Ende der "visuellen Amnesie" (427) Mitte der Fünfzigerjahre wird der Beginn einer Phase der "Aufbrüche" (427-588) angesetzt, die im folgenden Jahrzehnt in eine Phase der "Aufklärungen" (589-916) übergegangen sei, gekennzeichnet durch eine intensivere Verwendung von Fotografien in Zeitungen und Zeitschriften sowie in Schulbüchern, Bildbänden, Ausstellungen und Filmen. Dabei seien auch bestimmte "Täterbilder" fixiert worden: neben dem Typus des "dämonisierten Exzesstäters" vor allem der "distanzierte Vollstrecker" und der "biedere Bürokrat" (914).
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.35 | 2.313 | 2.333
Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Habbo Knoch: Die Tat als Bild. Hamburg: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17541-die-tat-als-bild_20197, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 20197
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
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