/ 20.06.2013
Marcel Erlinghagen
Die Restrukturierung des Arbeitsmarktes. Arbeitsmarktmobilität und Beschäftigungsstabilität im Zeitverlauf
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2004; 312 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 3-531-14292-5Soziolog. Diss. Duisburg/Essen. - Die neuere sozialwissenschaftliche Arbeitsmarktdiskussion wird – vereinfacht gesprochen – von zwei Grundannahmen geprägt, die einerseits eine systematische Verknappung von Erwerbsarbeit, andererseits eine zunehmende Prekarisierung von Beschäftigungsverhältnissen behaupten. Die sich wechselseitig verstärkenden Tendenzen führen – wie es Ulrich Beck mit seinem Modell der Risikogesellschaft prägnant formuliert hat – zu einem System flexibel-pluraler Unterbeschäftigung. Mit seiner ebenso theoretisch wie empirisch angelegten Studie möchte der Autor diesen Befund – in dem sich Wissenschaft, Politik und Publizistik wechselseitig bestärken - problematisieren. Weil es bisher an einer hinreichenden „sozialwissenschaftlichen Handlungstheorie des Arbeitsmarktes“ (249) mangelt, entwirft Erlinghagen zunächst, unter Rückgriff auf Rational-Choice-Theorien, ein Erklärungsmodell, das die Mikroebene des Handelns individueller Akteure mit den regionalen und institutionellen Rahmenbedingungen des Arbeitsmarktes zu verknüpfen sucht. Auf dieser Basis erfolgt dann eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem vielfach nur ungenau verwendeten Flexibilitätsbegriff. Im empirischen Teil verfolgt Erlinghagen – gestützt auf die IAB-Beschäftigtenstichprobe für den Zeitraum 1975 bis 1995 – die Entwicklung von Arbeitsmarktmobilität und Beschäftigungsstabilität in den alten Bundesländern. Demnach sei – so ein Ergebnis dieser Auswertungen – die pauschale Befürchtung eines kommenden, „entstrukturierten Turbo-Arbeitsmarktes“ empirisch nicht haltbar. Die Durchsetzung der Dienstleistungsökonomie habe vielmehr zu einer Restrukturierung des Arbeitsmarktes geführt, in der „parallel verlaufende Polarisierung und Nivellierung von Beschäftigungschancen und –risiken [...] auf Seiten der Arbeitsanbieter ‚Gewinner’ und ‚Verlierer’ produzieren“ (246).
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.342
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Marcel Erlinghagen: Die Restrukturierung des Arbeitsmarktes. Wiesbaden: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23251-die-restrukturierung-des-arbeitsmarktes_26639, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 26639
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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