/ 21.06.2013
Martin Höpner / Armin Schäfer (Hrsg.)
Die Politische Ökonomie der europäischen Integration
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2008 (Schriften aus dem Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung 61); 451 S.; kart., 39,90 €; ISBN 978-3-593-38741-3In dem Sammelband wird die europäische Integrationsforschung mit der politökonomischen Perspektive verbunden. Während sich Hooghe und Marks auf die Entstehung eines europäischen Gemeinwesens konzentrieren und eine Schwäche erkennen, die größer ist als früher vermutet, blicken andere Autoren meist auf die Mitgliedstaaten und vertiefen spezifische Aspekte. Die dortige Heterogenität ist auf die unterschiedlichen Verteilungs- und Produktionsregime zurückzuführen, die genauer betrachtet werden. Ein zentrales Argument – die Asymmetrie zwischen negativer und positiver Integration (Scharpf) – zeigt sich etwa im Regimewettbewerb um die Einkommensteuer (Ganghof/Genschel) und um die Arbeitsmarktstandards (Keune). Das Ineinandergreifen der negativen und positiven Integration wird anhand der Wechselwirkungen zwischen judikativer und legislativer Politik deutlich (Schmidt). Ein weiteres Argument ist die zunehmende Liberalisierung, die sich jedoch mittlerweile weniger im Abbau von Diskriminierung als vielmehr in der Beseitigung institutioneller Hemmnisse äußert (Höpner/Schäfer). Doch als Reaktion auf die Liberalisierung gibt es bisher weder einen Eurokorporatismus (Schäfer/Streeck) noch einen europäischen Sozialstaat (Obinger/Leibfried) – wobei sich ersterer nie entwickeln werde, letzterer aber durchaus denkbar sei. Die Geldpolitik im europäischen Wirtschafts- und Währungsraum wird aus zwei Perspektiven betrachtet: Hall und Franzese betonen, dass die positive Funktion der unabhängigen Zentralbank von der Art des Lohnverhandlungssystems und einer entsprechenden Fiskalpolitik der Regierung abhängig ist. Aufgrund der existierenden Heterogenität und einer Zentralbank für viele Regierungen folgen unterschiedliche Wirkungen der Geldpolitik in den Mitgliedstaaten. Enderlein stellt die suboptimalen Währungsräume heraus, die aus ökonomischen Disparitäten kombiniert mit der einheitlichen Zinspolitik resultieren und eine offene Diskussion über den Euro notwendig machen. Die ökonomischen Disparitäten schlagen sich zudem in den Einstellungen der Bevölkerung zur EU-Integration nieder (Tiemann).
Stefanie John (SJ)
Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Bochum.
Rubrizierung: 3.1 | 3.5
Empfohlene Zitierweise: Stefanie John, Rezension zu: Martin Höpner / Armin Schäfer (Hrsg.): Die Politische Ökonomie der europäischen Integration Frankfurt a. M./New York: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29990-die-politische-oekonomie-der-europaeischen-integration_35544, veröffentlicht am 03.02.2009.
Buch-Nr.: 35544
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Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Bochum.
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