/ 17.06.2013
Antonia Gohr
Die Lega Nord - Eine Herausforderung für Italien. Zwischen Föderalismus und Separatismus
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2001 (Europäische Hochschulschriften: Reihe XXXI, Politikwissenschaft 426); 178 S.; brosch., 33,23 €; ISBN 3-631-36147-5Magisterarbeit phil. Heidelberg; Gutachter: M. G. Schmidt. - Die Lega Nord stellt ein erstaunliches Novum in der Parteienlandschaft Italiens nach dem Zweiten Weltkrieg dar. Seit der Ausrufung eines norditalienischen Separatstaates im September 1996 durch den charismatischen Chef der Lega Nord, Umberto Bossi, ist das Phantom "Padanien" zu einem Reizwort in der öffentlichen Debatte Italiens geworden. Gemeint ist damit das Gebiet der Poebene, die auf italienisch "pianura padana" heißt. Allerdings ist ungewiss, wo die Grenzen genau verlaufen: zumindest das Gebiet zwischen den Alpen und dem Hauptkamm des Apennin mit den Regionen Aosta, Piemont, Ligurien, Trient-Südtirol, Lombardei, Venetien, Friaul-Julisch Venezien und Emilia-Romagna ist dazu zu rechnen.
Die Lega Nord stellt damit die politische Integrität des italienischen Staates und seiner Handlungsträger radikal infrage. Gohr untersucht die Genese und Entwicklung sowie die Charakteristika und Ziele des mittlerweile auch regierungserfahrenen politischen Akteurs. Gefragt wird nach den Legitimations- sowie Mobilisierungsstrategien der Lega Nord und nach den Gründen für ihren Erfolg. Die Partei ist eine chamäleonartige politische Formation, die zwischen Anpassung und Profilierung, zwischen einer Massen- und Führerpartei, zwischen realpolitischen Standpunkten und radikalen Maximalforderungen (z. B. in ihrer fremdenfeindlichen Tendenz) oszilliert. Eine Kumulation von innenpolitischen Krisenmomenten zu Beginn der 90er-Jahre, aber auch externe Einflüsse wie die nach dem Zusammenbruch des ehemaligen Ostblocks veränderte Weltordnung, der Europäische Integrationsprozess und die durch die Globalisierung hervorgerufenen Modernisierungsängste werden als für den Aufstieg der Lega günstige Rahmenbedingungen interpretiert.
Inhalt: 2. Entstehungsgeschichte und Entwicklungsphasen: 2.1 Die Entstehung der Legen; 2.2 Die Lega Lombarda; 2.3 Von den Legen zur Lega Nord; 2.4 Die Lega als Regierungspartei; 2.5 Die Ausrufung Padaniens - Rückkehr zur Peripherie?; 2.6 Die Lega nach der Jahrtausendwende - Zurück zur Macht? 3. Charakteristika der Lega: 3.1 Zwischen Antipartei und Massenpartei; 3.2 Umberto Bossi als charismatische Führerpersönlichkeit; 3.3 Die Sprache der Lega; 3.4 Der Vorwurf des Rassismus; 3.5 Die Klientel der Lega; 3.6 Die Lega als populistische Partei. 4. Ziele der Lega: 4.1 Der Regionalismus der Lega; 4.2 Zwischen Föderalismus und Separatismus; 4.3 Die Lega und Europa. 5. Gründe für den Erfolg der Lega: 5.1 Die Krise des Systems; 5.2 Polarisierung und Themenflexibilität.
Stefan Gänzle (GÄ)
Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.61 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Stefan Gänzle, Rezension zu: Antonia Gohr: Die Lega Nord - Eine Herausforderung für Italien. Frankfurt a. M. u. a.: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15766-die-lega-nord---eine-herausforderung-fuer-italien_17988, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 17988
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