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/ 17.06.2013
Frank Bösch

Die Adenauer-CDU. Gründung, Aufstieg und Krise einer Erfolgspartei 1945-1969

Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 2001; 575 S.; geb., 39,80 €; ISBN 3-421-05438-X
Zur Ära Adenauer und seinem Verhältnis zu seiner Partei liegen, so meint man, genügend wissenschaftliche Untersuchungen vor. Bösch gelingt es dennoch mit seiner auf einer umfassenden Auswertung von Quellen beruhenden historischen Untersuchung der CDU unter Adenauer das gewohnte Bild des Kanzlerwahlvereins teils zu modifizieren und darüber hinaus sehr viel genauer zu fundieren. Bösch stellt die Überwindung der Gräben zwischen dem bürgerlich-protestantischen Lager und dem katholischen, vielfach eher sozial orientierten Milieu in das Zentrum seiner Untersuchung. Die dreifache Integration von Katholiken und Protestanten, von verschiedenen Flügeln des bürgerlichen Lagers sowie von Gruppen am rechten Rand des Parteienspektrums sei der eigentliche Erfolg Adenauers und der CDU (7). Dass es sich bei Böschs Analyse nicht nur um ein für zeitgeschichtlich Interessierte geeignetes Werk handelt, sondern dieses auch für Beobachter der aktuellen Politik sehr lesenswert ist, beweist nicht zuletzt das Kapitel über Adenauers System der Parteifinanzierung. Dieses begünstigte Steuerhinterziehung und nahm sie in Kauf. Mittels der verfügbaren Mittel wurde gezielt politischer Einfluss ausgeübt und Macht bei einem kleinen Kreis in der Parteiführung konzentriert. Für die Formierung der CDU unter Adenauer zu einer weitgehend geschlossenen und erfolgreichen Partei waren, so fasst Bösch seine Ergebnisse zusammen, sechs Elemente verantwortlich: "ihr interkonfessioneller Ausgleich, die informelle Parteiführung durch einen starken Vorsitzenden, die gezielte Vorfeld-Einbindung, ihr organisiertes Spendensystem, die planmäßige Absorption von konkurrierenden Kleinparteien und ihre überlegene Wahlkampfführung" (429). Inhaltsübersicht: I. Vom Milieu zur Parteigründung: Die Entstehung der CDU; II. Blockbildung rechts von der SPD: Auf der Suche nach einem gemeinsamen Kurs; III. Im Strudel konfessioneller Querelen: Die Bewältigung von Rückschlägen; IV. Die Sammlung des bürgerlichen Lagers; V. Politische Integration mit Spendengeldern: Der Aufbau des CDU-Finanzsystems; VI. Die Organisation einer informellen Partei; VII. Die Einbindung von Gesellschaftsteilen; VIII. Der lange Abschied von der Adenauer-CDU.
Julia von Blumenthal (JB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
Rubrizierung: 2.3312.313 Empfohlene Zitierweise: Julia von Blumenthal, Rezension zu: Frank Bösch: Die Adenauer-CDU. Stuttgart: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15573-die-adenauer-cdu_17756, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17756 Rezension drucken
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