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/ 22.06.2013
Andreas Oppacher

Deutschland und das Skandinavische Modell. Der Sozialstaat als Wohlstandsmotor

Bonn: Pahl-Rugenstein 2010; 144 S.; 14,90 €; ISBN 978-3-89144-426-9
Der Betriebswirt Oppacher befasst sich mit der übergeordneten Frage, wie in Deutschland immerwährender Wohlstand auf breiter Basis hergestellt werden kann. Hierfür referiert er zunächst allgemein verständlich die wesentlichen makroökonomische Zusammenhänge einer angebots- und einer nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik. Er zeigt auf, wie seit der Regierung Kohl die Wirtschaftspolitik eine Wende hin zur neoliberalen Angebotsorientierung vollzog und welche Folgen die seitdem von allen Regierungsparteien eingeschlagene Sparpolitik hatte. Unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Problemen Deutschlands sei der seit vielen Jahren extrem schwache Binnenkonsum das drängendste. Oppacher führt die geringe Binnennachfrage auf stagnierende beziehungsweise sinkende Reallöhne und ein niedriges Rentenniveau zurück. Erstmals seit den Nachkriegsjahren zeige sich als Folge einer extrem ungleichen Einkommensentwicklung, die der Staat nicht auszugleichen vermöge, „wieder eine offen sichtbare Form der Armut“ (55). Der Autor ist überzeugt, dass ein aktiver Sozialstaat Wirtschaftswachstum und Beschäftigung steigern kann. Dass dies möglich sei, zeigten die nordischen Länder, die sich u. a. „durch einen hohen Lebensstandard bei relativ gleichmäßiger Einkommensverteilung innerhalb der Gesellschaft [auszeichnen]“ (64). Der Autor analysiert das Wirtschafts- und Sozialmodell von Dänemark, Schweden und Finnland und fragt, inwieweit sich einzelne Elemente auf Deutschland übertragen lassen. Dringend geboten sei die Einführung einer Versicherungspflicht in der staatlichen Sozialversicherung für alle Erwerbsgruppen, verbunden mit der Regelung einer ergänzenden Finanzierung der Sozialausgaben aus Steuermitteln. Die hierfür erforderliche Erhöhung der Steuereinnahmen sei durch ein solidarisches Steuersystem zu bewerkstelligen. Auch in den Bereichen Bildung und Kinderbetreuung könne Skandinavien ein Vorbild für Deutschland sein. Allerdings werde in Skandinavien – im Unterschied zu Deutschland – das Gemeininteresse in der Wertevorstellung der Menschen traditionell hoch bewertet, weshalb einige wichtige Inhalte des skandinavischen Modells daher „teilweise nur als Prinzipien auf Deutschland übertragbar seien“ (102), räumt der Autor ein.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3422.32.612.222.262 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Andreas Oppacher: Deutschland und das Skandinavische Modell. Bonn: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32720-deutschland-und-das-skandinavische-modell_39060, veröffentlicht am 09.11.2010. Buch-Nr.: 39060 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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