/ 20.06.2013
Catherine Médicis
Der nächste Präsident bin ich! Eine Abrechnung mit der französischen Politik. Aus dem Französischen von Alexander Drechsel
Leipzig: Militzke Verlag 2006; 271 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 978-3-86189-746-0Die einzige politische Tragikomödie, die in der Grande Nation noch etwas gelte, komme 2007 wieder zur Aufführung: die Präsidentschaftswahlen. Unter einem von Katharina de Medici entliehenem Pseudonym analysiert die Kandidatin (die sich im Januar 2007 als die Juristin Corinne Lepage vorstellte) die Misere der französischen Innenpolitik, die Politikverdrossenheit der Bürger, das Debakel der Abstimmung über die EU-Verfassung und die versäumten wirtschaftspolitischen Reaktionen auf die Globalisierung – mit dem Fazit, das nicht diese Versäumnisse, sondern die Schlampereien der Politiker für deren negative Auswirkungen verantwortlich seien. Immer wieder in den Mittelpunkt gerückt wird das politische Personal, in das offensichtlich nicht mehr allzu viel Hoffnungen zu setzten ist. Die möglichen Präsidentschaftskandidaten stellt Médicis/Lepage als meist deformierte politische Charaktere dar, die sich die Zeit mit inhaltsleeren Machtspielen vertreiben. Ségolène Royal allerdings würde eine brauchbare Despotin abgeben. Die Politiker scheinen zu ihren Wählern zu passen, denn diese würden auf die an Kennedy angelehnte Frage – „Fragt nicht, was Frankreich für euch tun kann, sondern was ihr für Frankreich tun könnt?“ – bestenfalls hämisch grinsen und sagen: „Jetzt denken die wirklich, wir sind total bescheuert“ (32). Frankreich sei eben immer eine Monarchie geblieben, schreibt Médicis/Lepage. Es reiche daher nicht aus, einige Amtsträger auszutauschen, es sei „allerhöchste Zeit, dass die Politiker zur Kunst des Regierens zurückfinden“ (173). Mit Blick auf die arbeitsmarktpolitischen Erfolge in Dänemark und Großbritannien fordert sie, dass auch in Frankreich alle Wege „ins Rom der Freiheit und der Verantwortung, der Flexibilität und der Anpassungsfähigkeit“ (173) führen müssten, zum Nachteil der Sicherheit (die es aber, und das bleibt ungesagt, gerade in Dänemark in einem hohen Maße gibt). Der Leser ist aufgefordert, sich auf www.5janvier2007.com an der Debatte über die Zukunft Frankreichs zu beteiligen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.61 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Catherine Médicis: Der nächste Präsident bin ich! Leipzig: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25603-der-naechste-praesident-bin-ich_29699, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29699
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