/ 17.06.2013
Gerhard Armanski / Jens Warburg (Hrsg.)
Der gemeine Unfrieden der Kultur. Europäische Gewaltgeschichten
Würzburg: Königshausen & Neumann 2001; 240 S.; brosch., 24,54 €; ISBN 3-8260-2135-5Die heutige Rede über Gewalt - ob im Kontext um begriffliche Präzision bemühter Einzelwissenschaften oder in der öffentlichen Thematisierung spektakulärer Gewaltereignisse - weist oftmals eine tiefgründige Irritation auf. In der modernen Gesellschaft - so die Befürchtung - habe Gewalt keineswegs abgenommen, wir sähen uns vielmehr einem Formenwandel gegenüber, demzufolge Gewaltpotenziale diffundieren und "sich tief in die Poren der Gesellschaft" (8) ausbreiten. Ohne dieser Wahrnehmung widersprechen zu wollen, geht es den Autoren um eine Verdeutlichung der Kontinuität von Gewalt in einer weiten - von den Kreuzzügen über den Dreißigjährigen Krieg bis zur "absoluten Gewalt" (Sofsky) des Lagers (225 ff.) reichenden - historischen Perspektive. Zwar seien die einzelnen Beiträge "nur Fragmente" (10), gleichwohl beanspruchen sie "nicht mehr und nicht weniger, als Trittsteine europäischer Destruktivität zu vermessen und damit sowohl einen Beitrag zur historischen Anthropologie des Abendlandes zu liefern wie ein begründetes Licht auf gegenwärtige Gewalterscheinungen zu werfen" (10).
Inhalt: Gerhard Armanski: Einleitung: Gewalt in Europa (7-15); Gerhard Armanski: Es begann in Clermont (17-33); Gerhard Armanski: Gewissen im Feuer (35-47); Gerhard Armanski: "Denn solchem zaubrischen Geschlecht gehört nur das Feuer" (49-77); Gerhard Armanski: Fortuna und Furor (79-105); Andreas Klinger: Formen der Gewalt im Dreißigjährigen Krieg (107-123); Michael Kaiser: Die Verstaatlichung der Gewalt (125-139); Gerhard Armanski: Das schwarze Treibrad der Moderne (141-159); Jens Warburg: Industrialisierung und Gewalt. Von der Verfleißigung der Arbeit (161-182); Jens Warburg: Der industrialisierte Tod. Kriege des 20. Jahrhunderts (185-223); Gerhard Armanski: Die Gewaltmaschinerie: Das Lager als Signum und Stigma des Jahrhunderts (225-239).
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.25 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Gerhard Armanski / Jens Warburg (Hrsg.): Der gemeine Unfrieden der Kultur. Würzburg: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15664-der-gemeine-unfrieden-der-kultur_17857, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 17857
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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