/ 20.06.2013
Martin Papapol
Der digitale Kapitalismus. Zu einem Manifest der Neuen Linken
Norderstedt: Books on Demand 2005; 141 S.; kart., 22,80 €; ISBN 3-8334-2777-9„In welchem Kapitalismus leben wir heute?“ (9) Laut Papapol hat sich die kapitalistische Gesellschaft seit den 90er-Jahren radikal verändert und einen „digitalen“ Kapitalismus herbeigeführt. Dieser stützt sich nicht nur auf digitale Technologien, sondern funktioniert auch nach deren Regeln: „Einschließen oder ausschließen, Null oder Eins, nach dieser Regel steuert der Markt.“ (22 f.) Dem digitalen System ist eine „Entweder-oder-Alternative“ (23) eigen. Die Entwicklung, die dazu geführt hat, beschreibt er im ersten Teil. Da die Banken angesichts der gestiegenen (Absatz)risiken immer weniger Geld für die Finanzierung von Unternehmen bereitstellten, müssten diese sich immer häufiger über die Finanzmärkte finanzieren. Dadurch sei die Orientierung am Cashflow und am Shareholder-Value zum zentralen Managementprinzip in den Unternehmen geworden. In der Folge habe sich die Qualität der Beziehungen zwischen Arbeit und Kapital verändert. Es gehe der Tendenz nach „nicht mehr um Ausbeutung, sondern um [...] Vernichtung“ (25) der „lebendigen“ (85) Arbeit und des Lebens an sich. Im zweiten Teil setzt sich Papapol mit dem „Dritte-Weg-Paradigma der Sozialdemokratie“ (110) auseinander. Die Erneuerung der Sozialdemokratie Anfang der 90er-Jahre bezeichnet er als einen zum Scheitern verurteilten Versuch, eine adäquate Antwort auf die Probleme des digitalen Kapitalismus zu finden. Als Lösung empfiehlt der unter einem Pseudonym und in der „Wir-Form“ schreibende Autor, die „Aneignung des dialektischen Denkens“ (29). Er schlägt im letzten Abschnitt vor, dass die Belegschaften nicht mehr nur das Recht auf Mitbestimmung haben, sondern auch am Unternehmen selbst direkt beteiligt sein sollten. Dies hätte eine breite Demokratisierung der Unternehmen zur Folge. Außerdem sollte der Staat durch entsprechende Regulierungen und die Ausgestaltung des Steuersystems für eine gemeinwohlfördernde Lenkung der Geldströme sorgen.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.331 | 2.342 | 2.35 | 2.3
Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Martin Papapol: Der digitale Kapitalismus. Norderstedt: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24599-der-digitale-kapitalismus_28414, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 28414
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Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
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