/ 11.06.2013
Joachim Perels
Das juristische Erbe des "Dritten Reiches" Beschädigungen der demokratischen Rechtsordnung
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 1999 (Wissenschaftliche Reihe des Fritz Bauer Instituts 7); 228 S.; kart., 39,- DM; ISBN 3-593-36318-6"Das Problem, ob die Prinzipien der neuen Verfassung, die Bindung der öffentlichen Gewalt an die Freiheitsrechte und die gesamte Rechtsordnung, von den einstigen juristischen Funktionseliten der NS-Diktatur akzeptiert wurden oder in bestimmten staatlichen und gesellschaftlichen Bereichen Elemente des einstigen anti-rechtsstaatlichen Denkens in gewisser Weise fortexistieren, wird in seiner strukturbildenden Bedeutung für das System der Bundesrepublik nur unzureichend erkannt." (11 f.) Diesem Problem hat der Autor einen großen Teil seines wissenschaftlichen Lebenswerkes gewidmet. Hier stellt er seine wichtigsten Aufsätze zu dem Themenkomplex zusammen. Er widerspricht der These, daß die Integration der nationalsozialistischen Funktionseliten - vor allem der Juristen - ein wichtiger Stabilitätsfaktor für die frühe Bundesrepublik gewesen sei und arbeitet statt dessen heraus, wie mit den Funktionseliten auch Überreste des nationalsozialistischen Maßnahmenstaats in die neue Ordnung übernommen worden seien. Zwar seien diese Prozesse mittlerweile ins Bewußtsein gerückt, doch: "Die Veränderung des Umgangs mit der Struktur der NS-Justiz kommt eine Generation zu spät." (38)
Inhalt: Die Nachwirkungen der NS-Diktatur im demokratischen Rechtsstaat (Originalbeitrag); Pläne der US-Administration für ein anderes Deutschland. Die Arbeiten der Neumann-Gruppe (1995); Der Nürnberger Juristenprozeß im Kontext der Nachkriegsgeschichte (1998); Die Restauration der Rechtslehre (1984); Die Bewahrung der bürgerlichen Gesellschaft in der Zeit ihres tiefsten Sturzes. Carl Schmitts Positionen nach 1945 (1996); Die Aufhebung der Legalität des politischen Demonstrationsstreiks (1985); Der Kampf gegen die Notstandsgesetze als Aneignung der Verfassung (1998); Der Umgang mit Tätern und Widerstandskämpfern in der Ära Adenauer (1997); Die schrittweise Rechtfertigung der NS-Justiz. Der Huppenkothen-Prozeß (1995); Amnestien für NS-Täter in der Bundesrepublik (1995); Späte Entlegitimierung der NS-Justiz (1996).
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.313
Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Joachim Perels: Das juristische Erbe des "Dritten Reiches" Frankfurt a. M./New York: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10468-das-juristische-erbe-des-dritten-reiches_12381, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12381
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Dr., Politikwissenschaftler.
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