Skip to main content
/ 11.06.2013
Hans-Jürgen Arlt / Sabine Nehls (Hrsg.)

Bündnis für Arbeit. Konstruktion, Kritik, Karriere. Eine Publikation der Hans-Böckler-Stiftung

Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1999; 312 S.; brosch., 49,80 DM; ISBN 3-531-13444-2
Das "Bündnis für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit" stellt den programmatischen Kern der rot-grünen Innenpolitik seit der Regierungsübernahme dar. Spätestens die kaum verklausulierte Aufwertung zum Prüfstein der "Politik der neuen Mitte" durch den Kanzler selbst verschafft ihm Dauerkonjunktur und andauernde Medienpräsenz. Während dieser Hochkonjunkturphase einen um Analyse, Einordnung und "Kritik" (so der Untertitel) bemühten Sammelband vorzulegen, kann als mutig gelten. Den Herausgebern, beide Mitarbeiter in der Presse- und Öffentlichkeitsabteilung des DGB, ist durch die Auswahl der größtenteils prominenten Autoren und das Arrangement der Beiträge eine interessante, gelegentlich erhellende Bestandsaufnahme der Diskussion bis zum August 1999 gelungen. Hintergründe, politischer Stellenwert und Problematik des Bündnisses erschließen sich gerade durch die unterschiedlichen, oftmals gegensätzlichen Charakterisierungen und Bewertungen der Akteure und Beobachter. Die Breite der analytischen Ansätze vermag dabei zu überzeugen: Akteursinteressen, Verhandlungsstrategien und -logiken werden ebenso beleuchtet wie die mediale Inszenierung und die diachrone und synchrone Einbettung des neuen tripartistischen Steuerungsversuchs. Dabei nehmen Herausgeber und Autoren bewusst in Kauf, dass das letzte Wort über das Bündnis noch nicht gesprochen ist, und verzichten auf einen im engeren Sinne wissenschaftlichen Anspruch. Gerade dadurch regen sie zu einer weiteren Auseinandersetzung mit einem der wichtigsten Projekte deutscher Innenpolitik an und tragen zur politischen Urteilsbildung bei - noch bevor das Bündnis zur Geschichte geworden ist. Freilich mag die Halbwertzeit einzelner Beiträge infolgedessen eher kurz ausfallen. Der politisch interessierte Zeitgenosse und - mit gewissen Vorbehalten wohl auch - der Politikwissenschaftler wird diesen Nachteil gerne in Kauf nehmen. Inhalt: Beobachtungen: Claus Leggewie: Böcke zu Gärtnern? Das Bündnis für Arbeit im Politikprozess (13-24); Hans-Jürgen Arlt / Sabine Nehls: Das SchröderSchulteHundt-Stück. Die Vorstellung entsteht durch die Darstellung (25-35); Gert Kreil: Ein Kursbuch des Bündnisses? Das Blair-Schröder-Papier gegen den Strich gelesen (37-47). Ziele: Gerhard Schröder: Das Bündnis als Fokus unserer Politik der neuen Mitte (49-56); Dieter Hundt: Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit ist zu gewinnen (57-68); Dieter Schulte: Effektiv und nachhaltig für Arbeit und soziale Gerechtigkeit (69-75); Ilse Brusis: Viele Bündnisse braucht das Land (77-83); Rudolf Kuda / Klaus Lang: Perspektiven eines gesamtgesellschaftlichen Reformprojekts (85-95); Ludolf-Georg von Wartenberg: Deutschland fit machen für den globalen Wettbewerb (97-105). Kritiken: Angela Merkel: Bestenfalls Hoffnung, schlimmstenfalls Betrug. Die Idee des Bündnisses hat sich überlebt (107-108); Angelika Beier: Kein Platz für Arbeitslose in der neuen Mitte? (109-115); Christine Penning: Wer, wenn nicht wir. Erfahrungen und Erwartungen Jugendlicher (117-123); Rudi Kurz: Wettbewerbsfähig oder zukunftsfähig. Bündnis für Arbeit zu Lasten der Umwelt? (125-133); Ingrid Kurz-Scherf: Männerbündischer Traditionalismus. Die Zukunft ist weiblich (135-145). Streitfragen: Wolfgang Streeck / Rolf G. Heinze: Runderneuerung des deutschen Modells. Aufbruch für mehr Jobs (147-166); Brigitte Stolz-Willig / Franziska Wiethold: Auf konfliktreichen Wegen zu neuer Arbeit. Gegen naive Vorschläge und billigen Konsens (167-179); Ulrich Mückenberger: So viel Pull wie möglich - so wenig Push wie nötig. Was zieht die Menschen zur Umverteilung der Arbeit? (181-192); Uwe Jean Heuser: Digitale Ökonomie. Der Sozialstaat löst sich auf (193-201); Petra Kodré / Stephan Leibfried: Moderne Solidarität. Ihre Spaltungs- und Entwicklungslinien (203-212). Aussichten: Anke Hassel / Rainer Hoffmann: Nationale Bündnisse und Perspektiven eines europäischen Beschäftigungspakts (213-229); Martina Klein: Tripartistische Konsensstrategien. Erfahrungen, Voraussetzungen und Chancen (231-240); Warnfried Dettling: Erfolgreiches Scheitern? Das Bündnis für Arbeit und die Optionen für die Gewerkschaften (241-247); Dirk Baecker: Ein korporatives Projekt gegen den Korporatismus (249-254). Dokumentation (255-300).
Michael Edinger (ME)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Sonderforschungsbereich 580, Universität Jena (www.uni-jena/svw/powi/sys/edinger.html).
Rubrizierung: 2.3422.331 Empfohlene Zitierweise: Michael Edinger, Rezension zu: Hans-Jürgen Arlt / Sabine Nehls (Hrsg.): Bündnis für Arbeit. Opladen/Wiesbaden: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11006-buendnis-fuer-arbeit_13010, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 13010 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA