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/ 17.06.2013
Gesa Heinrichs

Bildung, Identität, Geschlecht. Eine (postfeministische) Einführung

Königstein/Ts.: Ulrike Helmer Verlag 2001 (facetten); 263 S.; pb., 22,50 €; ISBN 3-89741-069-9
Erziehungswiss. Diss. Hamburg; Gutachter: H. Peukert, H.-Ch. Koller. - Ziel der interdisziplinären Studie ist eine "Neubeschreibung des Zusammenhangs von Identität und Bildung" (7) im Kontext der Postmoderne. Eine doppelte Fragestellung steht dabei im Mittelpunkt: zum einen, inwieweit das traditionelle Bildungsziel der Ausbildung einer einheitlichen, stabilen Ich-Identität revidiert werden muss und zum anderen die bislang weitgehend ausgeblendete Frage nach der Geschlechterkonstruktion und ihrer Rolle im Bildungsprozess. Heinrichs entwirft ein alternatives Konzept zur klassischen Identitätsbildung im Sinne einer kontinuierlichen, kohärenten Lebensgeschichte. Die Herausforderungen einer postmodernen Gesellschaft stellen an das Subjekt vielmehr den Anspruch, "Identität im Plural zu denken" (233), d. h. mit verschiedenen Selbstbildern und sozialen Rollen umgehen zu lernen sowie biographische Diskontinuitäten nicht notwendigerweise als misslungene Lebensführung interpretieren zu müssen. Vielmehr versteht die Autorin postmoderne Identität als "In-Differenz-Werden", also als einen permanenten Prozess der Auseinandersetzung mit dem eigenen und anderen Fremden. Als zentrales Beispiel behandelt Heinrichs den Erwerb einer Geschlechtsidentität. Im Anschluss an Judith Butler verwirft die Autorin klassische Identitäts- und Bildungstheorien, da diese entweder geschlechtsneutral formuliert sind oder eindeutige Zuordnungen vornehmen. "Es gilt die Dichotomie der Zweigeschlechtlichkeit als langfristig zu verändernde zu verstehen und Bildungstheorie, die immer auch Zukünftigkeit entwirft, darauf auszurichten." (236) Heinrichs systematischer Weg hin zu einer "postfeministischen Konzeption" der Geschlechterbildung ist ein Durchgang durch die erkenntnis-, sprach- und gesellschaftstheoretischen Diskurse um den Begriff der Postmoderne und die grundlegenden feministischen Debatten des 20. Jahrhunderts. In diesem Sinne versteht sie ihre Arbeit als "Eine Einführung" und zugleich als Grundlegung für eine weitergehende Ausformulierung ihres eigenen bildungstheoretischen Ansatzes. Inhaltsübersicht: I. Identität als In-Differenz-Werden - Anregungen aus geistes- und sozialwissenschaftlichen Diskursen; II. Geschlecht, Identität und Differenz im (post-)feministischen Diskurs; III. (Geschlechts-)Identität im bildungstheoretischen Diskurs.
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 2.27 Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Gesa Heinrichs: Bildung, Identität, Geschlecht. Königstein/Ts.: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16295-bildung-identitaet-geschlecht_18707, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18707 Rezension drucken
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