/ 12.06.2013
Helmut Kohl
Berichte zur Lage 1989-1998. Der Kanzler und Parteivorsitzende im Bundesvorstand der CDU Deutschlands. Bearb. von Günter Buchstab und Hans-Otto Kleinmann
Düsseldorf: Droste Verlag 2012 (Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte 64); LXXXI, 1.150 S.; Ln., 69,- €; ISBN 978-3-7700-1915-1„Dies ist unser Thema, liebe Freunde, Deutschland ist unser Thema, und deswegen lassen wir uns das auf gar keinen Fall stehlen.“ (8) Die Konsequenz, mit der der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl Politik (er‑)dachte und plante, erschließt sich nicht nur über explizite Äußerungen wie diese, sondern durchzieht praktisch jeden Satz seiner Berichte. Günter Buchstab und Hans‑Otto Kleinmann legen deshalb mit dieser Edition – wie von ihnen beabsichtigt – „eine der wichtigsten Quellen zur Geschichte der Ära Kohl und der Frühgeschichte des wiedervereinigten Deutschlands“ (VII) vor. Es handelt sich um 113 Lageberichte, die der CDU‑Vorsitzende und Bundeskanzler Kohl dem Bundesvorstand seiner Partei zwischen dem 9. Oktober 1989 und dem 22. Oktober 1998 vortrug; ihre Tonmitschnitte wurden für diese Edition verschriftlicht, die Veröffentlichung der Berichte aus den Jahren 1982 bis 1989 ist ebenfalls geplant. In ihrer Einleitung reflektieren Buchstab und Kleinmann zunächst über Historie und Rolle des CDU‑Bundesvorstandes sowie über die Doppelrolle Kohls als Bundeskanzler und Parteivorsitzender. Außerdem weisen sie auf Spezifika hin, die bei der Lektüre auffallen, etwa auf das „‚System Kohl‘“ (XI) mit dem für den Bundeskanzler typischen wie eigenwilligen Umgang mit seiner Partei. Zudem wird ein Überblick über die stets in den Berichten wiederkehrenden Themen vermittelt, dazu zählen: Außenpolitik, deutsche Einheit, Europa, neue Verantwortung in der Welt und Innenpolitik. Buchstab und Kleinmann weisen ausdrücklich – und völlig richtig, wie sich bei der Lektüre schnell erweist – darauf hin, dass keine vertraulichen Informationen aus der großen Politik oder der Parteiführung zu erwarten sind. Die Berichte dienten vielmehr der parteilichen Willensbildung sowie der „Motivierung und Mobilisierung der Parteielite im Sinne der Regierungspolitik“ (XXXVI) – tatsächlich wäre es sicher interessant, als Ergänzung lesen zu können, welche Diskussionen diese Berichte – und damit Kohls bestimmtes Auftreten und seine politischen Vorgaben – nach sich zogen. Die Edition erfüllt aber auch so ihren Sinn und Zweck: Es eröffnet sich ein unmittelbarer Blick auf die Überlegungen, die Kohl in der wichtigsten Phase seiner Kanzlerschaft bei der Ausformulierung seiner Politik zugrunde legte.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.315 | 2.331 | 2.332
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Helmut Kohl: Berichte zur Lage 1989-1998. Düsseldorf: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14536-berichte-zur-lage-1989-1998_43515, veröffentlicht am 25.04.2013.
Buch-Nr.: 43515
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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