/ 04.06.2013
Karen Ehlers
Armut in der Bundesrepublik Deutschland. Die Entwicklung von Armutsdominanzrelationen ausgewählter Risikogruppen in den alten Bundesländern im Zeitraum 1984-1994
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 1997 (Europäische Hochschulschriften: Reihe V, Volks- und Betriebswirtschaft 2.110); 162 S.; brosch., 54,- DM; ISBN 3-631-31753-0Finanzwiss. Diss. Kiel. - Die Arbeit setzt sich unter methodologischen und empirischen Aspekten mit Problemen der Messung von (Einkommens-)Armut auseinander. Die "traditionellen" Ansätze versuchen auf der Basis monetärer Größen durch Bildung von (Armutsverteilungs-)Indizes oder Äquivalenzskalen zu exakten Aussagen über Umfang und Intensität von Armut zu gelangen (19 ff.). Allerdings bleibe die (Schein-)Genauigkeit dieser Befunde immer dem Einwand einer willkürlichen Festlegung von Armutsgrenzen bzw. von Referenzeinkommen ausgesetzt (46). Als Alternative stellt die Autorin drei Varianten vor, die das aus der Verteilungsmessung stammende Konzept der Dominanzrelation nutzen (47 ff., 133 ff.). Verfahren dieser Art ermöglichen einen nach einzelnen Subgruppen differenzierten ordinalen Vergleich der Veränderungen von Einkommensverteilungen. Weil sie dabei auf ein vorab definiertes Armutsmaß verzichten, seien ihre Befunde solider, aber von geringerer Genauigkeit als die der traditionellen Armutsmessung: "Die Entscheidung zwischen einer kardinalen Armutsmessung [durch Armutsgrenzen] und dem Erstellen ordinaler und partieller Dominanzrelationen ist daher durch einen trade-off zwischen der Garantie eines eindeutigen Ergebnisses auf der einen Seite und einer größeren Allgemeingültigkeit auf der anderen Seite gekennzeichnet." (62 f.) In der Anwendung auf Daten des sozio-ökonomischen Panels (der Jahre 84, 89 und 94) für drei Risikogruppen (Alte, Alleinerziehende, Arbeitslose) konstatiert die Autorin (79 ff.) eine Verbesserung im ersten Fünfjahreszeitraum, nach der deutschen Einigung sei jedoch eine Stagnation bzw. eine leichte Verschlechterung der Armutssituation zu beobachten (153). Insgesamt handelt es sich um eine Arbeit, deren Stärke primär in der methodologischen Diskussion von Meßinstrumenten liegt; Bezüge zur Thematisierung von Armut jenseits der volkswirtschaftlichen Perspektive werden indes allenfalls angedeutet.
Inhaltsübersicht: 2 Status Quo der Armutsmessung: 2.2 Armutskonzepte; 2.3 Armutsindizes: 2.3.1 Ad hoc-Indizes; 2.3.2 Axiomatische Armutsindizes; 2.4 Äquivalenzskalenkonzepte. 3 Armutsdominanz: 3.1 Der Ansatz von Foster und Shorrocks; 3.2 Der Ansatz von Jenkins und Lambert. 4 Entwicklungen in der sozialpolitischen Landschaft Deutschlands zwischen 1984 und 1994: 4.2 Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen; 4.3 Maßnahmen im Bereich der Alterssicherung; 4.4 Maßnahmen im Bereich des Familienlastenausgleichs; 4.5 Maßnahmen im Bereich der Sozialhilfe; 4.6 Steuerliche Maßnahmen der Sozialpolitik. 5 Armutsänderungen in der Bundesrepublik Deutschland: 5.2 Dominanzrelationen auf der Basis des Ansatzes von Jenkins und Lambert; 5.3 Dominanzrelationen auf der Basis des Ansatzes von Foster und Shorrocks. 6 Das Hybrid-Dominanzkonzept: 6.1 Theoretische Überlegungen; 6.2 Die empirische Anwendung des Hybrid-Konzeptes.
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.342
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Karen Ehlers: Armut in der Bundesrepublik Deutschland. Frankfurt a. M. u. a.: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4574-armut-in-der-bundesrepublik-deutschland_6421, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 6421
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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