/ 17.06.2013
Birgit Rommelspacher
Anerkennung und Ausgrenzung. Deutschland als multikulturelle Gesellschaft
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2002; 236 S.; kart., 19,90 €; ISBN 3-593-36863-3Ein Drittel der gegenwärtigen deutschen Bevölkerung sei eingewandert, als Aussiedler, Flüchtling oder "Gastarbeiter". Die Gesellschaft ist multikulturell. Sind ihre Mitglieder aber auch gleichberechtigt? Nein, meint die Autorin, die in Berlin Psychologie lehrt, und benennt die Versäumnisse der deutschen Politik und die Gründe dafür. Ein Beispiel sei die Kopftuchdebatte, die eine Geschichte der Dominanz gegenüber anderen Kulturen sei. Die deutsche Gesellschaft habe damit nicht ungewöhnlich reagiert, denn "die Geschichte Europas ist von diesem Widerspruch zwischen Gleichheitsanspruch und Ungleichheitsverhältnissen geprägt" (206). Der Ausgrenzung der Migranten gehe eine eigene "soziale Positionierung" (19) voraus, wobei "der Fremde zum Gegenbild des Selbst" (12) werde. Aus der Perspektive der Mehrheitsangehörigen analysiert die Autorin unter anderem anhand des Verhältnisses der Ost- und Westdeutschen, der Frauenemanzipation und der Frage nach globalen Menschenrechten, warum trotz des erklärten Ziels der Gleichstellung Ungleichheit und Abgrenzung fortgeschrieben werden. Voraussetzung einer "Politik der Anerkennung" (208) sei aber, so das Fazit, zu erkennen, wem und in welcher Hinsicht sie verweigert wird. Auch die Formulierung der universellen Menschenrechte sei deshalb als Prozess zu betrachten.
Inhalt: I. Selbst- und Fremdbilder: 1. Fremdheit und Machtinteressen; 2. Selbst- und Feindbilder in der europäischen Moderne; 3. Nationale Selbst- und Feindbilder; 4. Gleichheitsanspruch und Ungleichheitsverhältnisse; 5. Universalismus und Dominanz. II. Kulturen im Konflikt: 6. Der Islam und das westliche Selbstverständnis. Vom Orientalismus zum "Kampf der Kulturen"; 7. Kultur - Geschlecht - Religion. Am Beispiel der Kopftuchdebatte; 8. Rassismus und Rechtsextremismus in Deutschland; 9. Segregation und Integration. Zur Situation ethnischer Minderheiten in Deutschland. III. Modelle des Zusammenlebens: 10. Die multikulturelle Gesellschaft. Konzepte und Kontroversen; 11. Erfahrungen aus den USA. Affirmative Action; 12. Pluralität und Egalität.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.35 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Birgit Rommelspacher: Anerkennung und Ausgrenzung. Frankfurt a. M./New York: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15377-anerkennung-und-ausgrenzung_17500, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 17500
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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