Skip to main content
/ 22.06.2013
Thomas Schölderle

Utopia und Utopie. Thomas Morus, die Geschichte der Utopie und die Kontroverse um ihren Begriff

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2011; 540 S.; 64,- €; ISBN 978-3-8329-5840-4
Diss. Universität der Bundeswehr München; Gutachter: U. Weiß, G. Küenzlein. – Der Begriff des Utopischen ist nicht nur in der Alltagssprache, sondern auch in den vielen verschiedenen Zweigen der Wissenschaft, die sich mit dem Phänomen auseinandersetzen, ein besonders unscharfer – ihn per definitionem zu fassen ist ein schier utopisches Unterfangen. Thomas Schölderle versucht es trotzdem und setzt sich dezidiert wissenschaftlich-analytisch mit Entwicklung und Kontroverse des Begriffs der Utopie seit Thomas Morus auseinander. Schölderle legt dabei nicht nur eine methodisch durchdachte Vorgehensweise an den Tag, mit der er sowohl befürwortende als auch kritische Haltungen berücksichtigt. Der Band lässt sich auch als ein umfassendes Kompendium zu den wichtigsten Stationen einer Begriffsentwicklung in einem Zeitraum von etwa 500 Jahren lesen. Der Autor nähert sich dem Begriff schließlich so an, dass er das Wesen des utopischen Denkens auf einigen wenigen Seiten auf die wichtigsten Punkte verdichten kann. Ergänzt wird dies durch grafische Darstellungen von Überschneidungen wie Abgrenzungen zu ähnlichen Begriffen wie Mythos, Chiliasmus oder Science-Fiction. Schölderle schafft es so tatsächlich, den schwierig zu fassenden Utopiebegriff auf eine übersichtliche Zahl an Merkmalen einzugrenzen, die auf vier verschiedenen Normierungsebenen wirken: formal, inhaltlich, funktional und intentional. Diese Ebenen bilden den Rahmen, der sich aus der detaillierten historischen und politikphilosophischen Betrachtung der Entwicklung utopischen Denkens ergibt. Die am Ende des Bandes stehende Definition ist durchaus brauchbar, um zukünftigen wissenschaftlichen Betrachtungen einen trennschärferen Begriff als bisher zugrunde legen zu können. Schölderles „Utopia und Utopie“ lässt sich ohne Übertreibung – sowohl inhaltlich als auch äußerlich – als das gewichtigste Überblickswerk zur politischen Utopie seit Richard Saages „Utopische Profile“ bezeichnen.
Fabian Beigang (FB)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 5.315.35.15.425.46 Empfohlene Zitierweise: Fabian Beigang, Rezension zu: Thomas Schölderle: Utopia und Utopie. Baden-Baden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33848-utopia-und-utopie_40560, veröffentlicht am 14.07.2011. Buch-Nr.: 40560 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA