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/ 11.06.2013
Simon Koschut

Die Grenzen der Zusammenarbeit. Sicherheit und transatlantische Identität nach dem Ende des Ost-West-Konflikts

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010 (DGAP-Schriften zur internationalen Politik); 289 S.; 44,- €; ISBN 978-3-8329-4722-4
Politikwiss. Diss. Potsdam; Gutachter: H. Kleger, U. Lehmkuhl. – Koschut beobachtet eine Entfremdung zwischen Deutschland und den USA seit dem Ende des Ost-West-Konfliktes und fragt nach den Ursachen. Im Wege einer konstruktivistischen Herangehensweise analysiert er die sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den USA anhand regionaler Krisen auf dem Balkan, in Afghanistan und im Irak. Zu diesem Zweck werden drei akteursspezifische Dimensionen sicherheitspolitischer Identität eingehend untersucht und verglichen: Bedrohungswahrnehmung, multilaterales Handeln und der Einsatz militärischer Gewalt. Anhand der Fallstudien werden die Diskurse und außenpolitischen Handlungen der Bundesrepublik und der USA gegenübergestellt, um so Rückschlüsse auf die sicherheitspolitische Identität der beiden Akteure ziehen zu können. Die Analyse lässt ein ambivalentes Bild erkennen: Einerseits haben sich die Identitäten in beiden Staaten nicht wesentlich verändert, bestehende Identitätsmuster seien oft nur fortgeschrieben worden. Insofern überwiege auf beiden Seiten Kontinuität. Andererseits sei aber auch deutlich geworden, dass die sicherheitspolitischen Identitäten nur schwer miteinander vereinbar seien. Sowohl in der Bedrohungswahrnehmung als auch in den Einstellungen zu multilateralem Handeln und dem Einsatz militärischer Gewalt seien deutliche Differenzen vorhanden, die sich im Verlauf transatlantischer Zusammenarbeit in den internationalen Krisen nach Ende des Ost-West-Konfliktes weiter verschärften. Zurückhaltung gegenüber jeglichem Einsatz militärischer Gewalt sei nach wie vor ein Charakteristikum deutscher Sicherheitspolitik. Demgegenüber stelle der Einsatz militärischer Gewalt ein „grundlegendes Mittel“ (17) US-amerikanischer Sicherheitspolitik dar. Zudem zeigte sich, so der Autor, ein transatlantisches Paradox, denn je stärker Deutschland und die USA miteinander kooperierten, desto weiter entfernten sich beide voneinander. Beide Staaten stehen in einem Verhältnis der „konstruktiven Rivalität“ (243), da beide um die „Deutungshoheit westlicher Werte“ (18) und um den Einfluss in strategischen Regimen konkurrierten. Die Kooperation sei nicht einfach, denn die transatlantische Partnerschaft stelle nur noch eine unter vielen möglichen Handlungsoptionen dar. Koschut sieht die Gefahr, dass sich die konstruktive in eine destruktive Rivalität verwandeln könnte, die zur Auflösung der Sicherheitsgemeinschaft führen könnte.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.24.214.222.64 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Simon Koschut: Die Grenzen der Zusammenarbeit. Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9678-die-grenzen-der-zusammenarbeit_39535, veröffentlicht am 04.05.2011. Buch-Nr.: 39535 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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